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Museen
im Zwielicht. Ankaufspolitik 1933-1945 (Kolloquium vom 11. bis 12. Dezember
2001 in Köln) / Rezensiert von Vanessa
Voigt M.A., Sprengel Museum Hannover, |
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Die zweite Veröffentlichung der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste Magdeburg vereint insgesamt 26 Beiträge ausgewählter Fachreferenten der thematisch aufeinander abgestimmten ersten beiden Tagungen zur Provenienzforschung in Deutschland: "Museen im Zwielicht. Ankaufspolitik 1933-1945" (Kolloquium vom 11. und 12. Dezember 2001 in Köln. Geplant und organisiert von Dr. Katja Terlau) sowie "die eigene GESCHICHTE. Provenienzforschung an deutschen Kunstmuseen im internationalen Vergleich" (Tagung vom 20. bis 22. Februar 2002 in Hamburg. Geplant und organisiert von Dr. Ute Haug). [1] Nach der Washingtoner Erklärung über die "Grundsätze in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden" (3. Dezember 1998) und der ein Jahr später in Deutschland erfolgten "Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz" thematisiert die hier zu besprechende Publikation die Methodik und die Problematik der Provenienzforschung aus der Perspektive von Kunsthistorikern, Historikern, Vertretern des Kunsthandels und Juristen. Die hieraus resultierende Fülle von Informationen zeichnet das Werk aus, eröffnet dem Leser einen grundlegenden Einblick in die Thematik und ist für die Provenienzforschung insgesamt unerlässlich. Hervorzuheben ist zudem die systematische Darstellungsweise jedes einzelnen Beitrages, die durch ausgewählte Beispiele ergänzt wird sowie umfangreiche Anmerkungen, die ihrerseits eine hervorragende Grundlage für weitergehende Forschungen darstellen. Die englischsprachige Zusammenfassung jedes Aufsatzes verweist ihrerseits auf die internationale Bedeutung dieser Forschung. Der erste Teil der Publikation
fasst die Beiträge des Kölner Kolloquiums "Museen im
Zwielicht. Ankaufspolitik 1933-1945" zusammen. Breiten Raum nimmt
hier die Darstellung von Geschichte und Ankaufspolitik einzelner Museen
und Institutionen während der NS-Zeit ein. Katja Terlau
("Das Wallraf-Richartz-Museum in der Zeit zwischen 1933-1945"),
die sich im Rahmen ihres heute bereits abgelaufenen Forschungsprojektes
für das Wallraf-Richartz-Museum Köln mit der Museumsgeschichte
zwischen 1933 und 1945 und vor allem mit dessen Ankaufspolitik befasst
hat, konstatiert, dass rund "ein Drittel des Sammlungsbestandes
in der benannten Zeit eine wesentliche Umschichtung erfahren habe."
(21) Kunstwerke, die im Zuge der Aktion "Entartete Kunst"
beschlagnahmt worden sind, wurden durch Ankäufe aus den Niederlanden
und Frankreich ersetzt. Unmittelbar nach dem Krieg sind zahlreiche
dieser Erwerbungen restituiert worden, die Provenienz weiterer ist
jedoch bis heute ungeklärt. Eine vergleichbare Situation stellt
Bettina Bouresh ("Kunsterwerbungen im Rahmen
der Neuordnung des Rheinischen Dass auch schweizerische
Museen, Sammler und Händler während der NS-Zeit in den Handel
mit Fluchtgut und Raubgut involviert waren, belegt Esther Tisa
Francini ("Kunsthandel in der Schweiz 1933-45: Fluchtgut,
Raubgut und die Restitutionsfrage") von der Unabhängigen Vier weitere Aufsätze
widmen sich der Methodik und Problematik der Provenienzforschung.
Wissenschaftler schildern in diesem Teil die Praxis der Forschung
anhand von Einzelbeispielen. Der Leser erhält einen fundierten
Einblick in die unterschiedlichen Methoden, die im Zuge der Recherche
erforderlich sind. Harald König ("Leihgaben der
Bundesrepublik Deutschland aus Beständen, die zwischen 1933-1945
in Reichsbesitz gelangten") von der Oberfinanzdirektion Berlin
- Bundesvermögensabteilung stellt einleitend die Provenienzrecherche
des Restbestandes von etwa 2200 Kunst- und Kulturgütern vor,
die zwischen 1933 und 1945 in Reichsbesitz gelangten. Ilse von
zur Mühlen ("Von der Herkunftsgeschichte zur Restitution
- Ein Erfahrungsbericht"), die als erste Wissenschaftlerin in
Deutschland im Jahre 1999 von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen
München mit der Überprüfung der Provenienzen vor allem
von Erwerbungen aus der Zeit von 1933 bis 1945 beauftragt wurde (Diese
Stelle ist bereits im August 2002 ausgelaufen!), schildert anhand
eines bereits erfolgten Restitutionsfalles detailliert die Vorgehensweise
und die Schwierigkeiten, die sich im Zuge der Recherche ergeben können.
Ergänzend zu den Erfahrungen in Deutschland verweist die amerikanische
Kunsthistorikerin Laurie A. Stein ("Provenienzrecherche
und das Problem verwechselter Identitäten") auf den Umgang
mit der Provenienzforschung in Amerika. Dass die Provenienzforschung
nicht nur Museen und Bibliotheken betrifft, sondern ebenfalls für
den internationalen Kunsthandel von moralischer, kommerzieller und
juristischer Bedeutung ist, belegen Vertreter des Auktionshauses Christie's,
Andreas Rumbler und Stephanie Tasch ("Provenienzforschung
aus der Perspektive des internationalen Kunsthandels"). Jeder
der genannten Aufsätze belegt wie bedeutend, facettenreich und
häufig aufwendig die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem
Kulturgut im Einzelfall sein kann. In diesem Zusammenhang verweist
Ulli Seegers ("The Art Loss Register-eine private Datenbank
zwischen Kunstkriminalität, Beute- und NS-Raubkunst") auf
die Datenbank "The Art Loss Register" (ALR), die größte
private Datenbank zur Aufklärung von Kunst- und Antiquitätendiebstahl,
die zur Auffindung gesuchter Kulturgüter, aber auch zur Klärung
offener Provenienzen beitragen kann. Im zweiten Teil
der Publikation werden die Beiträge der Hamburger Tagung "die
eigene GESCHICHTE. Provenienzforschung an deutschen Kunstmuseen im
internationalen Vergleich" vorgestellt. Im Zentrum dieser an
das Kölner Kolloquium anknüpfenden Tagung standen die internationalen
Provenienz-Recherchen. Kunsthistoriker, Historiker und Juristen des
In- und Auslandes beschreiben in ihren Aufsätzen ausführlich
die Problematik der Provenienzforschung. Einleitend gehen erneut zwei
Rechtsanwälte auf die juristischen Grundlagen Ein weiterer Aufsatz
von Petra Kuhn ("Die "Gemeinsame Erklärung
von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden"
vom Dezember 1999") schildert den Umgang des Beauftragten der
Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien
mit der Thematik Provenienzforschung. Ausgehend von der "Gemeinsamen
Erklärung" von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden
vom Dezember 1999 sei es vor allem Aufgabe des Bundes, die zur Umsetzung
dieser Erklärung erarbeitete Handreichung vom Februar 2001 [2]
zu Die "museale" Praxis von bereits erfolgten Restitutionen sowie die Möglichkeiten und die Ziele der Provenienzforschung werden auch im zweiten Kapitel der Publikation von Vertretern aus Museen anschaulich beschrieben. Norbert Zimmermann ("Die Praxis der Restitutionen") geht in diesem Zusammenhang ausführlich auf die bisher getätigten Restitutionen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin ein. Carla Schulz-Hoffmann und Ilse von zur Mühlen ("Provenienzforschung an den Bayrischen Staatsgemäldesammlungen") stellen die Praxis der Provenienzforschung an den Bayrischen Staatsgemäldesammlungen vor. Beide Aufsätze beschreiben anschaulich anhand von Beispielen das methodische Herangehen der Forschung und geben einen Einblick in die bisher getätigten Rückgaben von Kunstwerken. Bernhard Purin ("Gerettet oder geraubt? Zur Aneignung von Judaica im Nationalsozialismus und heute") dehnt den Kunstraub der Nationalsozialisten auf die Aneignung und Zerstörung jüdischen Kulturgutes aus. Eine Thematik, die im Rahmen des Kunstraubes bislang "ausgespart" wurde. Michael Franz ("Die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste und die Lostart Internet Database-eine Zwischenbilanz") verwies in diesem Zusammenhang auf die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste und die hier entwickelte Internetdatenbank www.lostart.de, in der die Ergebnisse der Provenienzforschung gemeldet werden können. Gleichzeitig dient auch diese Datenbank der Auffindung von Kunstwerken und kann zur Klärung offener Provenienzen beitragen. Dem Anspruch der
Hamburger Tagung "Provenienzforschung im internationalen Vergleich"
folgend, widmen sich zwei weitere Aufsätze des zweiten Kapitels
dem Umgang und der Entwicklung der Provenienzforschung in den USA
und in Österreich ein. Laurie A. Stein ("Provenienzforschung
in den USA") informiert über den Stand und die Notwendigkeit
der Provenienzforschung in den USA. Amerikanische Sammler erwarben
laut Stein "eine Anzahl der Objekte aus der Fischer-Auktion"
(349). Durch den nationalsozialistischen Kunstraub sei
[2] Handreichung
zur Umsetzung der Erklärung der Bundesregierung, der Länder
und der Kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe
NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem
Besitz vom Februar 2001. |
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Dokument erstellt am 31.12.2003