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Kunst
des Ausstellens. Beiträge, Statements, Diskussionen. Hg. v. Hans
Dieter Huber, Hubert Locher, Karin Schulte im Auftrag der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz,
2002. Rezensiert von Mag.
Dr. Monika Sommer, Wien Museum |
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Über Präsentationsformen,
ideale Ausstellungsbedingungen oder Anforderungsprofile für Ausstellungsproduzenten
wird seit Beginn des Im April 2001 trafen sich an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart namhafte Vertreterinnen und Vertreter des Kunstbetriebs, um über die "Kunst des Ausstellens" Beiträge, Statements und Diskussionen abzugeben und zu verhandeln. Wie die Tagung ist auch der dazu bei Hatje Cantz erschienene Sammelband in sechs thematische Panels unterteilt, an deren Ende jeweils die Zusammenfassung der Diskussion zum Subthema steht und eine Doppelseite Fotografien vom Symposium zeigt. Hilfreich ist das Personen- und Sachregister im Anhang. Der gesamte Band zeichnet sich durch ein ausgewogenes, für das Thema adäquates Verhältnis zwischen Text und Bild aus - eine positive Feststellung, die leider nicht für das Layout der Publikation gilt. Das erste Panel
widmet sich dem Thema "Ausstellungen im Kunstbetrieb". Der
Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte am Veranstaltungsort,
Hubert Locher, eröffnet mit seinen "Anmerkungen zu einem
unübersichtlichen Diskurs" und gibt einen historischen Überblick
zu den Transformationen des Ausstellungswesens. Ausgehend von einer
Definition der Ausstellung als ein "Arrangement meist mehrerer
ausgewählter Objekte in einem mehr oder weniger öffentlich
zugänglichen Raum" (16), legt er das Ziel der Tagung offen,
ein interdisziplinäres Gespräch zu führen, das alle
Bereiche der Stuttgarter Hochschule umfassen soll. In einem chronologischen
Abriß verortet der Kunsthistoriker Oskar Bätschmann die
sich wandelnde Rolle der Künstler im Kunstbetrieb, wobei er gegenwärtig
zwei Tendenzen feststellt: Einerseits entwickeln sich einzelne Künstler
zu regelrechten Stars der Szene, auf der anderen Seite verschwinden
sie, wenn jeder Künstler ist. Hans Dickel, Kunsthistoriker und
Ausstellungskurator, verweist in seinem Beitrag auf Künstler
wie z.B. Claude Monet, El Lissitzky oder Bruce Nauman, die sich der
kuratorischen Tätigkeit des Ausstellens teilweise bewußt
entziehen, indem sie selbst die Kontrolle über die räumliche
Präsentation ihrer Werke aufrecht erhalten wollen. Diese Gesten
der Verweigerung, diese selbstbestimmten Setzungen im Kontext dieser
Tagung zu thematisieren, erscheint wichtig, um Einschränkungen
der Tätigkeit des Ausstellens nicht lediglich auf der Seite der
finanziellen und strukturellen Bedingungen zu verbuchen. Der Kölner
Kunsttheoretiker und -historiker Ekkehard Mai vergleicht die Funktionen
von Museum und Ausstellung. Er kritisiert die gegenwärtige Museumsarchitektur,
die "nur noch in sehr seltenen Fällen dienenden Charakter"
(69) habe und fordert mehr Dienst an der Sammlung, sowie die Rückbesinnung
auf die Individualanforderungen des Objekts in der Ausstellung, die
seiner Meinung nach in letzter Zeit von den Inszenierungen überrollt
worden sind. Auf den Umgang mit Erinnerung, der der Museumsarbeit Dem "Rahmen der Ausstellung" widmete sich das zweite Panel, das der Kunsthistoriker und ehemalige Direktor des Kunstmuseums Luzern Ulrich Loock, Frances Morris, Senior Curator an der Tate Modern in London, die Schweizer Architektin Annette Gigon und der Kunsthistoriker Beat Wyss bestritten. Loock bietet eine interessante These zur Diskussion an: Aktuelle Tendenzen im Museumswesen, wie die Kreation von Superkuratoren oder die Lust an der spektakulären Museumsarchitektur sind nicht der Gegensatz, sondern die potenzierte Fortführung des "White Cube". Frances Morris führt anschließend aus, wie sich das Konzept der Präsentation von Kunst in der neuen Tate Modern an der Architektur orientierte, die neue kunstgeschichtliche Perspektiven eröffnet. Annette Gigon berichtet von den architektonischen Überlegungen, die dem (Zu)Bau von vier Kunstmuseen (Kirchner Museum, Davos, Museumserweiterung Winterthur, Museum Liner, Appenzell, Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz, Winterthur) und der Gestaltung eines authentischen genius loci, dem Ort der Schlacht im Teutoburger Wald, zugrunde lagen. Anders als z.B. das Guggenheim Museum in Bilbao oder das neue Kunsthaus in Graz sind diese Ausstellungsräume nicht als eigenständige Museumsskulpturen gedacht, vielmehr sollen die Räume einfach, unspektakulär und praktikabel sein. Die Veredelung erhalten sie durch gute Proportionen, Lichtverhältnisse und Materialien. Wie schon bei zahlreichen Museumsbauten des 19. Jahrhunderts soll die "äußere Erscheinung der Museumsgebäude als eine Ableitung des Inneren" (124) gesehen werden können. Anders als ihre Vorgänger reflektieren die neuen Museen ihr Gemacht-Sein. Im abschließenden Statement dieses Panels holte Beat Wyss noch einmal architekturhistorisch weit aus, um zu zeigen, dass aktuelle Klagen über Eventkultur oft übersehen, dass auch die Architektur der ersten Museumsbauten - reale oder utopisch gebliebene wie z.B. die Skizze von Etienne Boullée - einerseits Inszenierungen von Herrschaft, andererseits auch schon erlebnisorientiert waren. Die Dimension des Opfers, die dieser Architektur inhärent ist, wie Fliedl und Pazzini gerade an Boullées Entwurf verdeutlicht haben, [3] läßt er allerdings völlig unberücksichtigt. In der anschließenden Diskussion präzisiert Wyss seine Überzeugung von der unveränderten Gültigkeit einer traditionellen Museumsbauweise: "Der Kernbereich des Museums ist der Rotundenbereich. Das ist das Museum, das Kabinett, wo quasi die Inszenierung zum Höhepunkt kommt" (143). "Institutionelle
Felder" diskutierten im dritten Panel Chris Dercon, Direktor
des Haus der Kunst in München (zum Zeitpunkt der Tagung noch Das Spannungsfeld
zwischen Kuratoren, die sich als Künstler betätigen und
Künstlern, die als Kuratoren reüssieren wollen, beleuchtet
Hans Dieter Huber, Professor für Kunstgeschichte der Gegenwart,
Ästhetik und Kunsttheorie in Stuttgart. Er stellt in den letzten
Jahre einen Im fünften Panel wird die Praxis des Ausstellungsmachens zwischen "Ausstellungsdesign, Messe und Event" von Klaus Lehmann gemeinsam mit Karin Schulte, HG Merz, Frank R. Werner, Thomas Wagner und Roland Lambrette diskutiert. Der Beitrag von Gunter Henn, der auf der Tagung offenbar für viel Diskussion gesorgt hat, wurde nicht zum Abdruck frei gegeben. Die Integration des Themas "Gestaltung" in die Tagung ist für den aktuellen Stand der Debatte unerläßlich, nimmt doch die Bedeutung der Ausstellungsarchitektur und -gestaltung im museologischen Diskurs zu bzw. war für die Fragen der Wahrnehmung von Kunst stets relevant. [4] Die Kunst des Ausstellens ist nicht nur von sozialen und politischen Kontexten, sondern auch von wirtschaftlichen Bedingungen abhängig. Interessant ist, dass in dem Band genau an der Stelle, wo es nicht mehr um die Kunst selbst geht, sondern eben um Gestaltung, erstmals andere Sparten von Museen angesprochen werden: die technikgeschichtlichen Museen. HG Merz fordert die Rückkehr zum Objekt, die Entdramatisierung der Ausstellungsgestaltung, da kaum ein anderer Ort Echtheitserfahrungen zulasse und dem Museum gerade deshalb ein neuer gesellschaftlich kultureller Stellenwert zukommt. Auch der Architekt Frank R. Werner stellt einen zunehmenden "Schwund auratischer Exponate" fest und meint, "noch nie war das szenografisch gestaltete In-Between als Orientierungshilfe auf dem Terrain Vague zwischen Objekt und Subjekt geforderter denn heute" (307), während der Kulturjournalist Thomas Wagner der zeitgenössischen Kunst zukünftig Konkurrenz im ästhetischen Feld bescheinigt. Diese Perspektive dehnt Roland Lambrette noch aus, sieht er doch die Zukunft in der Erweiterung der Ausstellung z.B. um Internet-Auftritte oder Exponate zum Mitnehmen. Ausstellungen versteht er in seiner Agentur Markgraph als "hochentwickelte Kommunikationsinstrumente, die immer feiner, individueller und komplexer werden" (335). Ob die Tatsache, dass gerade bei diesem Panel die Publikumsdiskussion entfallen oder zumindest im Tagungsband nicht abgedruckt ist, für den marginalisierten Stellenwert der Gestaltung im Kunstbetrieb steht, sei offen gelassen. Vor dem abschließenden Panel diskutierte ein Round Table das "Risiko Ausstellung ?!". Ziel der Diskussion sollte die Integration der Stuttgarter Galerienszene in die Tagung sein, - ein Anliegen, das grundsätzlich eine gute Idee gewesen wäre, allerdings durch eine Terminkollision nicht wirklich realisiert werden konnte, da viele Galeristen zeitgleich auf der Kunstmesse in Frankfurt waren. Die anwesenden, auf dem Podium sitzenden Galeristen haben sich als Thema für die Diskussion die Künstlerposition im Kunstmarkt und die Risiken der Galeriearbeit gewünscht. Allerdings entwickelte sich die Veranstaltung eher zu einem Proseminar für Kunststudenten, das den Titel "Einführung in das Feld der Galerien und Galeristen" hätte erhalten können. Abschließend
werden "Neue Medien - Neue Orte" thematisiert. Hans Dieter
Huber zeigt die Herausforderungen des Sammelns, Erhaltens und Vermittelns
von Bits and Bytes auf. Er setzt sich vehement für die Historisierung
und Musealisierung der NetArt ein, einer eng historisch begrenzten
Kunstbewegung der späten neunziger Jahre, die sich der Ortsgebundenheit
und der zeitlichen Fixierung entzieht. Gleichzeitig führt er
die Schwierigkeit der Konservierung von neuen Medien und ihrer Kunst
vor Augen. Philip Pocock veranschaulicht Beispiele künstlerischer
Projekte, die erst durch die neuen Medien Realität werden konnten,
sich aber zumindest teilweise der dauerhaften Bewahrung a priori entziehen.
Benjamin Weil kommt auf den institutionellen Umgang mit der neuen
Kunstsparte zu sprechen und stellt museologische Überlegungen
zum Sammeln von digitaler Kunst an. Er sieht in der Medienkunst neue
Herausforderungen und Chancen der Kunstbetrachtung. Viele der im Tagungsband
angerissenen Fragen wären es wert, ausführlicher diskutiert
zu werden. Für Akteure des Museums- und Austellungswesens und
für Interessierte faßt der Band den europäischen Stand
der museologischen Diskussion im Bereich der Kunst gut zusammen. Bedauerlich
ist, dass sich das Buch nahezu ausschließlich auf die Kunst
des Ausstellens von Kunst bezieht, was sicherlich der Logik des Veranstaltungsortes
entsprach. Nichts desto trotz wären Fragen nach den Unterschieden
und Gemeinsamkeiten der Kunst des Anmerkungen:
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Dokument erstellt am 24.2.2004