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Eva
Studinger: Zwischen den Stühlen. Museumspädagogik für Menschen
mit geistigen Behinderungen. Frankfurt a.M./Berlin/Bern u.a.: Peter Lang,
2002. Rezensiert von: |
| Es gibt nur wenige Museen bzw. Ausstellungen, die sich dem Thema Behinderung annehmen, in den Museen arbeiten selten Menschen mit Behinderung, manche Museen sind für diese Menschen schwer oder nicht zugänglich und museumspädagogische Angebote für diese Besuchergruppe - immerhin zehn Prozent der Bevölkerung - sind nicht sehr zahlreich. Darob erstaunt es nicht, dass wenig Literatur zum Themenbereich Museum und Behinderung existiert. Möglicherweise führt dies zur Erwartung, das Buch "Zwischen den Stühlen. Museumspädagogik für Menschen mit geistigen Behinderungen" möge zur Schliessung dieser Lücke beitragen. Wer jedoch hofft, dass mit der Publikation von Eva Studinger, Kunsthistorikerin und Museumspädagogin, ein Handbuch zur Museumspädagogik für Menschen mit Behinderung vorliegt, wird enttäuscht sein. Die Autorin selbst legt im Schlusswort dar, sie habe vielmehr beabsichtigt, "das Gebiet phänomenologisch auszuloten" (S. 135). Im Vorwort und
in der Einleitung erläutert Studinger, dass die Grundlage ihrer
Dokumentation eine grosse Bildersammlung der Staatlichen Kunsthalle
Karlsruhe darstelle. Diese Bilder von Menschen mit sog. geistiger
Behinderung sind im Rahmen von Malkursen entstanden. Die Autorin spricht
sich für einen besseren Zugang zu den Museen für alle aus
und gibt einen Überblick über die folgenden Ausführungen.
Bereits hier zeichnet sich ab, was sich im ganzen Buch zeigen wird:
Es geht mehr um Kunst als ums Museum, die zwei unterschiedlichen Kategorien
Behinderung und Krankheit, insbesondere "geistige Behinderung"
und psychische Krankheit werden oft gleichgesetzt, und es werden viele
lange Zitate verwendet. Die Autorin fügt im Schlusswort an, dass
sie damit die Möglichkeit bieten wollte, in verschiedene Richtungen
weiter zu lesen. Sofern dazu nicht Literaturverweise In den folgenden Kapiteln werden die Malkurse anhand neuerer Literatur kontextualisiert. Zunächst ist es der Kontext der Kunsttherapie, wobei die Autorin die Kurse davon abgrenzt und explizit als museumspädagogisches Angebot bezeichnet. Dennoch betrachtet sie den neurobiologischen Ansatz der Kunsttherapie am realistischsten und sinnvollsten für die Museumspädagogik (S. 109). Als weiterer Kontext wird die "Art brut" dargestellt. Es folgt ein Kapitel zum Malen in der Freizeit anhand des Beispiels einer Werkstätte. Danach geht es wieder um den Kontext der Kunst und Psyche. Als Begründung für diese Erläuterungen führt Studinger an, dass auch Menschen mit sog. geistigen Behinderungen häufig psychisch krank seien, bei der Behandlung mit Psychopharmaka allerdings eine deutliche Besserung erführen (S. 126). Anschliessend stellt sie die Frage, ob jeder Mensch mit Behinderung, der malt, bereits ein Künstler sei und beantwortet diese Frage, indem sie feststellt, dass das Etikett "Künstler" nicht weiterhelfe, das Malen hingegen eine nicht zu unterschätzende Chance der Persönlichkeitsentwicklung darstelle (S. 128). Dies zeigt sie abschliessend wiederum anhand eines Beispiels auf, das durch die Kombination von Kunst, Kunstvermittlung und sozialem Engagement gekennzeichnet ist. Das Feld "Museumspädagogik für Menschen mit Behinderung" scheint mir mit diesem Buch, das eher einen Einblick in die Kunstpädagogik gibt, nicht ausgelotet. Ein Beleg dafür mag u.a. sein, dass in der Literaturliste für das Thema relevante Publikationen der Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistig Behinderte oder von Eucrea, des Netzwerks für behinderte Künstler, fehlen. Das Buch hätte m.E. gewonnen, wenn die Autorin auf einige der Zitate verzichtet und stattdessen mehr von den Kursen, insbesondere den darin stattfindenden Interaktionen aller Beteiligten, z.B. dem Aufbau von Beziehungen, dem Suchen nach und Finden einer gemeinsamen Sprache, berichtet hätte. Es bleibt zu hoffen, dass anlässlich des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung nicht nur mehr Museen für alle zugänglich gemacht und vermehrt Ausstellungen zum Themenbereich Behinderung stattfinden werden, sondern auch die museologische Auseinandersetzung mit diesem Thema und damit die entsprechende Literatur zunehmen wird. |
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Dokument erstellt am 15.3.2003