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Alexis Joachimides: Die Museumsreformbewegung in Deutschland und die Entstehung des modernen Museums 1880-1940, Dresden: Verlag der Kunst, 2001. 296 Seiten, 100 Abb., br., EUR 32,--. ISBN 90-5705-171-0 Rezensiert von: |
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der Schwelle zu einem weiteren "Paradigmenwechsel" in der
Beschreibung des neuen Museumstyps, welcher die Abkehr von der multifunktionalen
variablen Ausstellungshalle hin zu unterschiedlich akzentuierten Sammlungsräumen
bringt, ragt aus der Fülle von Reflexionen über den Zustand
von Kunstmuseen der Gegenwart zwischen Krisenbeschwörung und
dem optimistischen Erkennen von Neuansätzen die vorliegenden
Studie heraus, weil sie methodisch historische und kunsthistorische
Fragestellungen dicht, präzise und informativ verknüpft
und die Entwicklung der Kunstmuseen vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten
Weltkrieg aufrollt. Der permanente Konflikt, besser die Widersprüchlichkeit
zwischen Historisierung und aktueller Funktionsbestimmung, erfaßte
auch die Kunstmuseen des wilhelminischen Kaiserreiches. Zudem hatte
sich die Institution Museum einer neuen Generation von Besuchern zu
stellen. Zentraler Begriff ist "die Bezeichnung der musealen Ausstellung als Inszenierung" (S.13), d.h. die Miteinbeziehung aller die Rezeption des Kunstwerkes beeinflussenden ausstellungstechnischen Faktoren. Der Etymologie von "Inszenierung" folgt eine Auseinandersetzung mit Sammlungsgeschichte als literarischer Gattung. Dabei zeigt ein Vergleich mit älteren Aufarbeitungen von Museumsgeschichte, daß es sich bei diesen meist um die (selbstgefällige) Darstellung der "Erfolgsbilanz" spektakulärer Exponate handelte. Konsequenz daraus ist, daß die Sammlungspraxis in den Museen selten Rücksicht auf ältere Selektionsmechanismen, auf Veränderungen in Geschmack und Qualität nimmt; die Kriterien der Darstellung wandeln sich erst unter dem Einfluß der literaturwissenschaftlich geprägten Rezeptionstheorie. Die Sammlungsbeschreibungen enden meist mit der Anschaffung des Objekts, ohne dessen Integrierung in den Kontext der Sammlung zu berücksichtigen. Dem historischen Überblick über Museumskonzeptionen und reale Institutionen im 19. Jahrhundert, denen Verf. das "übergreifende Paradigma der Vermittlung wissenschaftlicher Bildung" (S.17 zugrunde legt und neben dieser Vermittlungsfunktion auch den Aspekt Repräsentation nicht außer acht läßt, folgt eine anhand markanter Beispiele erarbeitet Museumstypologie. Sie gibt einen Überblick über die Entstehung des kunsthistorischen, des kulturhistorischen und des kunstgewerblichen Museums. Charakteristika traditioneller Museumskonzeptionen des 19. Jahrhunderts mit den dazugehörigen Inszenierungen werden anhand musealer Gemäldehängungen und Skulpturenaufstellungen analysiert, um sie mit der Museumsreformbewegung um 1900 zu kontrastieren. Die vom Postulat der Vollständigkeit
geprägte Sammlungspolitik, die Gleichstellung und Gleichbewertung
der Exposita als Merkmale der Museumsgestaltung des 19. Jahrhunderts
verlangte unter dem Einfluß einer durch eine neue ästhetische
Wahrnehmung veränderten Kunsttheorie nach einer Reform. Diese
wurde durch die Abhandlungen Konrad Fiedlers zur "Autonomie des
Kunstwerkes" gleichsam eingeläutet. In die Realität
umgesetzt wurden erste Reformversuche nach jahrelangen museumstheoretischen
Diskussionen und |
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Dokument erstellt am 15.3.2003