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Annette Hünnekens: Expanded Museum. Kulturelle Erinnerung und virtuelle Realitäten, Bielefeld: Transcript-Verlag, 2002. 272 S., kart., EUR 25,80. ISBN 3-933127-89-0 Rezensiert von: |
| "Übrigens
ist mir alles verhaßt, was mich bloß belehrt, ohne meine
Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben." Annette Hünnekens legt mit ihrer nun veröffentlichten Dissertation einen beachtlichen ersten Zugang frei, der zur komplexen Verbindung des Museums als kultureller Raum (nicht nur der Erinnerung) und den Möglichkeiten und Potentialen der Computertechnologie führen soll. Die Fertigstellung der Dissertation im Jahr 2000 erfolgte genau zu der explosiven Hochzeit einer new economy, die nicht nur Informationen in einem mehr oder weniger virtuellen Raum anbot, sondern auch die Existenz des Museums als begehbaren und erfahrbaren Ort entscheidend veränderte. Hünnekens faßt das Museum als einen „Ort der kulturgeschichtlichen Präsentation und Erforschung“, welcher „als Stätte der Bildung des Urteilsvermögens“ auch der Tatsache Rechnung tragen muß, „daß neue Medien aufgrund ihrer Eigenschaft der Konvergenz von Raum und Zeit das Wissen an sich verändern...“ (S. 14) und somit auch das Museum. Dabei sind neben den Chancen, die der Technologieeinsatz in Museen oder umgekehrt die Verlagerung des Museums ins Virtuelle mit sich bringen, nach Ansicht der Verfasserin auch die Risiken eines fortschreitenden Prozesses der Abkoppelung des Technischen von alltagsweltlichen Sinnstiftungen zu beachten. Die Verfasserin diagnostiziert, daß die Versprechen zum Beispiel hinsichtlich eines „Virtuellen Museums“ nicht verwirklicht seien (S. 15). Ausgehend von der Annahme einer grundlegenden Veränderung des Museums und der Musealisierung durch den Einsatz von Technologie in Richtung „Ausdehnung und Erweiterung“ ist es das Anliegen des Buches, die genannten Veränderungen zu skizzieren. Bei der Lektüre gerät der althergebrachte Begriff des Museums ins Wanken: Virtuelle Galerien, interaktive CD-ROMs und eine nur im Internet vorhandene Netzkunst sind einige wenige Stichworte, die nicht nur die Vorstellung dessen, was der museale Raum eigentlich sei, verändern, sondern auch die Repräsentationsformen und die bewahrten und zur Schau gestellten Kulturgüter als solche. So steht denn auch das „Phänomen der Erweiterung, der Expansion“ (S. 21) des Museums und seiner Räume und daran anschließend auch der des Kunst- und Kulturbegriffes im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Untersuchung beginnt mit einem sehr informativen und einen weiten Bogen spannenden Teil über die Entwicklung und Situation von Museen in der Informationsgesellschaft, in dessen Verlauf die Verfasserin verschiedene „Kulturhistorische Formen musealer Information“ herausarbeitet. Die Schwerpunktsetzung erfolgt hier bei den durch die neuen Technologien ermöglichten neuen „Formen des Erinnerns“ wie die Digitalisierung (S. 31), die nicht nur neue Formen der Archivierung und des Sammelns als Prinzip hervorbringt, sondern auch die zu musealisierenden Objekte verändert. Die Verfasserin fragt des weiteren auch nach der Rolle der haptischen Erfahrung der BesucherInnen hinsichtlich des „informellen Lernens“, welches „sich über unmittelbare, eigene Erprobung und Erfahrung vollzieht“ (S. 35). Hierzu stellt sie fest, daß dieser Anforderungskatalog an alle musealen Ort gestellt werden müßte: Hinsichtlich der Enträumlichung virtueller Museen als ein Beispiel sei hier eine Erleichterung des niedrigschwelligen Zugangs zu vermerken, andererseits seien Museumsbesuche am PC so konzipiert, daß sie nur alleine durchzuführen seien und die „Erlebnisdimensionen“ von anderen, gleichzeitig teilnehmenden Besuchern ausgeblendet bleiben (S. 37). Unter der Überschrift
„Expanded Museum“ entwickelt die Verfasserin drei Formen
von Museen unter der Perspektive von Realität und Musealität.
Hier wird als erstes das traditionelle Museum genannt, welches mit
den Kategorien der Authentizität und Erfahrbarkeit arbeitet.
Das virtuelle, digitale Museum erweitere die „Realitätsebenen“
durch den Einsatz der digitalen Technologien. Abschließend führt
die Verfasserin das „sog. Netzmuseum“ an, „das
aufgrund der Vernetzung oben genannter Museen entsteht und in diesem
Punkt auch an die Logik der Mnemotechnik erinnert“ (S.
72). Der zweite Hauptteil
des Buches steht unter der Überschrift „Vernetzte Formen
musealer Expansion“. In diesen Abschnitt leiten „Strategien
der Vernetzung“ ein. Hierbei geht es nicht mehr um den Einzug
der Neuen Medien in die Welt der Museen, sondern vielmehr um künstlerischen
Ausdruck mit Hilfe elektronischer Medien. Hier ist festzustellen,
daß Netzkunst „nur temporär Eingang“ in die
Museen gefunden hat. „Sie gehört somit offenbar noch
nicht zum offiziellen Kanon der Kunstgeschichte und steckt hinsichtlich
ihrer Vermittlung wie auch ihrer wissenschaftlichen Reflexion bis
heute noch in den Kinderschuhen...“ (S. 156). Ein Grund
dafür sieht die Verfasserin in den so oft vergessenen Problemen
und Bedeutungen, die die Archivierung und Bewahrung von Netzkunst
mit sich bringen. Abgerundet wird der Band mit einer umfangreichen Bibliographie zum Thema und einem Verzeichnis aller vorgestellten Projekte. Wer sich für die Zukunft des Museums, für die Perspektiven der Präsentation oder auch für die Zukunft interessiert, sollte diesen Band zu Rate ziehen. |
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Museen
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Dokument erstellt am 5.8.2003