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Sylvia Meffert: Werbung und Kunst. Über die phasenweise Konvergenz der Sphären Werbung und Kunst in Deutschland von 1895 bis zur Gegenwart, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2001. Br., 322 S., 28 Abb., EUR 30,90. ISBN 3-531-13537-6 Rezensiert von: |
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to quality, creative expression and artistic experimentation". Die Forschung zu den beiden Sphären Kunst und Werbung betont zumeist die Divergenzen zwischen beiden. Einen neuen Ansatz - bewusst entgegen der kunstwissenschaftlichen Dominanz zum Thema - verfolgt Sylvia Meffert in ihrer Dissertation. Sie bündelt mit Hilfe einer interdisziplinär übergreifenden Fragestellung die historischen Verläufe der Konvergenz von Kunst und Werbung. Dies geschieht mittels einer umfassenden quantitativen und inhaltlichen Untersuchung der Verflechtungen von Kunst und Werbung sowohl auf künstlerischer als auch auf institutioneller Ebene und in den jeweiligen Diskursen der Zeit. Gerade die sorgfältige Aufarbeitung der Diskurse und der daraus entstandenen medienpädagogischen Ansätze zum Thema Kunst und Werbung weist die Arbeit von Meffert als Grundlagenforschung aus. Drei verschiedene
Phasen mit drei jeweils unterschiedlichen Leitmedien hat Meffert von
1895 bis zur Gegenwart ausgemacht: Die Zeit um 1900 mit den Jugendstilplakaten,
die Zeit der Pop-Art in Printwerbung der 1960/70er und die TV-Spots
der 1980/90er Jahre. Diesen Phasen widmet sich Meffert in jeweils
einem Hauptkapitel mit präzise gewählten, umfassenden Analyseschritten:
Von den Rahmenbedingungen über Akteure und Modalitäten der
Konvergenz bis hin zu dem jeweiligen zeitgenössischen Diskurs.
Am Ausgang des 19. Jahrhunderts waren die sozioökonomischen Bedingungen
von einer immer stärker industrialisierten Alltagswelt geprägt.
Niemals zuvor hatten so viele Menschen in städtischen Lebensräumen
gewohnt; Konsumgewohnheiten änderten sich durch Verbesserung
von Nahrungsmittel- und medizinischer Auch die Kunst
wurde von der Idee der Masse beflügelt. Es waren vor allem Jugendstilkünstler,
die sich von ihrem Exklusivitätsanspruch befreiten und es sich
zur Aufgabe machten, Kunst "unter's Volk" zu bringen. Die
drucktechnischen Entwicklungen und die Verfahren der Papierherstellung
erlaubten die rasche Umsetzung derartig hochgesteckter Ziele. Alltägliche
Gebrauchsgegenstände rückten in den Fokus der Kunst, und
Lithographien wurden zum Vorläufer des modernen Posters. Obwohl
quantitativ nicht sehr hoch - die Großzahl der Plakate wurden
von Plakathandwerkern im Stil der traditionellen Historienmalerei
als Blankovorlage angefertigt - entfachten die neuen Künstler-Plakate
einen aufgeregten Diskurs, der sich um die grundsätzliche Frage
nach der Notwendigkeit von Werbung drehte. Die
Werbebranche steckte zu jener Zeit noch in den Kinderschuhen. Werbung
galt weithin als unseriös und ruchbar. Erst die Künstler
des Jugendstils holten die Werbung aus ihrer "Schmuddelecke"
und erhoben sie zu einem diskutierten Gebiet, dessen Sinn und Nutzen
sich immer stärker zu erkennen gab. Es trafen sich zwei Interessensphären:
Künstler konnten zum einen ihren kunstpädagogischen Anspruch
umsetzen und sich zugleich selbst positionieren. Besonders interessant
erscheint beispielsweise die Darstellung der Aktivitäten der
Firma Günther Wagner, die Meffert neben anderen ausführlich
auf einer Mesoebene analysiert. Der später unter dem Namen Pelikan
GmbH bekannter gewordene Künstlerbedarfsvertrieb engagierte sich
etwa in Plakatwettbewerben mit anschließenden Wanderausstellungen,
durch Vergabe von Gestaltungsaufträgen (Verpackungen, Schaufenster,
Siegelmarken) und auch durch ein klassisches Mäzenatentum. Gerade
anhand der Beispiele auf der Die nächste
Phase der Annäherung und Überschneidung konstatiert Meffert
in den 1960er Jahren der Bundesrepublik Deutschland. Die Nachkriegswehen
und das Wirtschaftswunder waren bereits abgeflaut, als eine neue Kunstrichtung
die deutsche Öffentlichkeit eroberte: die Popart. Diese Kunstrichtung
wurde mehr als jede andere mit dem Attribut ,jugendlich' identifiziert.
Die Initiative zur Annäherung von Werbung und Kunst ging diesmal
von beiden Seiten gleichermaßen aus. Künstler wie Herbert
Kaufmann oder Fritz Köthe nahmen Werbung als Teil der Alltagskultur
in ihre Kunstwerke auf und setzten sich auf diesem Weg in provokanter
Weise mit der Werbung als Synonym für den Als Leitmedium
der Werbung entwickelt sich in den späten 1960er Jahren die Printanzeige
wie Meffert anhand von umfangreichen quantitativen Auswertungen feststellt.
Die Übernahme des Motivarsenals aus der Pop-Art in Printanzeigen
geschah allerdings nicht mehr so deutlich wie es noch im Jugendstil
der Fall gewesen war. In den neuen Werbeanzeigen wurden verschiedene
Stilmerkmale kombiniert. Dazu gehörten Comicmotive, die aus der
bildenden Kunst oder anderen Medien abgeleitet waren, und auch wieder
Motive des Jugendstils. Um die Wahrnehmung der Werbung innerhalb eines gesättigten Warenmarktes zu gewährleisten, erschien die verstärkte Segmentierung der Werbezielgruppen als möglicher Ausweg. Kunstströmungen der Zeit wurden überlagert von dem alles beherrschenden Begriff ,Postmoderne'. Meffert stellt fest, dass sich die als postmodern bezeichneten Kunstrichtungen als grundsätzlich ungeeignet für eine Übernahme in die Werbung erwiesen. Ein Interesse der Künstler an dem neuen werblichen Leitmedium schien nicht vorhanden zu sein. Anders hingegen sah es bei den Werbetreibenden selber aus. Eine bedeutsame Persönlichkeit dieser Zeit ist sicherlich Michael Schirner, der sich nicht nur als erfolgreicher Werber betätigte, sondern gleichzeitig auch seinen eigenen Anspruch als Künstler verwirklichte. Hierin stand Schirner offensichtlich nicht alleine, wie das von Meffert ausführlich diskutierte Beispiel der Werbekampagnen von Benetton zeigt. Die 1990er Jahre brachten, ausgelöst durch die Printkampagne "United Colours of Benetton", einen intensiven Diskurs darüber, ob Werbung künstlerische und journalistische Freiheit in Anspruch nehmen darf und Reflexionsvorgänge anregen kann. Ein Konsens zwischen Befürwortern und Gegnern konnte nicht erzielt werden; es blieb verschiedenen Gerichtsverfahren überlassen, die Kunstfreiheit der Werbung zu prüfen. Paradoxerweise wurden Werbemotive in einigen Ländern nach öffentlichen Protesten oder Gerichtsentscheiden verboten, die in anderen Ländern mit renommierten Werbegestaltungspreisen ausgezeichnet wurden. So zeigt der unterschiedliche Umgang mit weltweit laufenden Kampagnen vor allem eins: Wahrnehmungsstrukturen im öffentlichen Raum sind keiner allgemeingültigen Norm unterworfen, sondern abhängig von den jeweiligen sozioökonomischen Verhältnissen ihrer Zeit. Visuelle Medien sind Ausdruck von und Motor für kollektiv gesellschaftliche Mentalitäten. Werbung ist Teil einer alltäglichen, sich stetig wandelnden Kommunikation, die sowohl aus wirtschaftlichem als auch aus sozialem Leben entsteht und dieses ihrerseits beeinflusst. So banal dies auch klingen mag - erst in den letzten Jahren sind verstärkt interdisziplinäre Ansätze in den Blickpunkt der Mentalitätsforschung gerückt. Dabei ging es vor allem darum, die kunstwissenschaftliche Dominanz der Bildanalyse aufzubrechen, und die historische Bildforschung mit einer klaren Konzeption und Methodik in den Kontext von Wahrnehmungsgeschichte zu stellen. Gerade die Medienwissenschaft bringt dabei erfrischend neue Ergebnisse hervor, wie der souveräne und vor allem konsequent durchgeführte Zugriff von Meffert auf so unterschiedliche Medien wie Plakat, Printanzeige und TV-Spot zeigt. Trotz der positiven
Bewertung dieser sehr gut lesbaren Dissertation bleibt ein Schönheitsfehler:
Die 25 zitierten Werbebilder sind sorgfältig ausgewählt
worden, stehen allerdings - wie so oft üblich - in einem gesonderten
Einzelteil in der Mitte des Buches. Es wäre sicherlich ansprechender
und lesefreundlicher gewesen, diese Bilder dort zu positionieren,
wo sie innerhalb des Textes hin gehören, zumindest aber direkt
innerhalb der jeweiligen thematischen Kapitel. |
© VL
Museen
Alle Rechte bei der Autorin und VL Museen
Dokument erstellt am 5.8.2003