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Summary:
Emperor Otto III.'s Evangeliar was written around 1000 AD on the Isle
of Reichenau. In the 10th and 11th century, this famous scriptory
produced a sequence of marvellous manuscripts, richly illuminated
with brilliant pictures, which came to the imperial court. The original
book belongs as manuscript CLM 4453 to the treasure of the Bavarian
State Library. It consists of two parts: firstly the canon tables
(comparing the four texts on Jesus Christ's life and passion), secondly
the complete Evangelia of Matthew, Mark, Luke and John, which are
enriched with a cyclus of images displaying the way from Bethlehem
to Golgatha.
This edition is produced
as a virtual book, easy to handle by mouse click. Although the quality
of reproduction, especially as far as the pictures are concerned,
could be better - a 17" screen should be preferred -, the additional
functions of the CD-ROM provides useful information (only in
German) on the images and the Latin texts: So, in the evangelian part,
each passage can be compared with its transcription and (modern unified)
translation as well. It is a pity, that there is no way to export
its beautiful images - apart from taking a screenshot. Although this
digital
edition is not a match for a 'real' facsimile, it could be used at
least as a device by scientists. Moreover it is an invitation to the
famous
illuminated Ottonian books for all those, who like the art of painting.
Das Evangeliar ruht als Handschrift Clm 4453 in der Schatzkammer des
Bayerischen Staatsarchivs. Dieses Glanzstück ottonischer Buchmalerei
entstand wahrscheinlich um das Jahr 1000 auf der Reichenau als Gabe
für Kaiser Otto III. Das dortige Skriptorium fertigte im 10.
und 11. Jahrhundert eine Folge prächtiger Handschriften mit herausragenden
Illuminationen, die in das kaiserliche Umfeld Eingang fanden.
Das Original gehört
in Aufbau und Form zu einem Typus, der sich im Laufe des 10. Jahrhunderts
verfestigte. Den ersten Teil bilden reich geschmückte Kanontafeln,
die auf 24 Folioseiten die vier überlieferten lateinischen Texte
zum Leben und Sterben Jesu Christi tabellenartig nebeneinander stellen.
An sie schließen sich zwei Schmuckseiten mit der Huldigung der
Provinzen und dem thronenden Herrscher (beigefügte Abbildung)
als Zueignung an. Sie bilden zugleich die optische Einleitung zur
eigentlichen Lektüre, denn im zweiten Teil folgen die vier Evangelien
in der üblichen fortlaufenden Niederschrift. Er ist mit einem
umfangreichen Bilderzyklus ausgestattet, der den eigentlichen Reiz
dieses Werkes - nicht nur für Wissenschaftler - ausmacht: das
Buch Matthäus enthält Darstellungen zur Kindheit und Jugend,
im Buch Lukas und Markus folgen Umsetzungen der Gleichnisse und des
öffentlichen Wirkens, das Buch Johannes zeigt schließlich
Miniaturen zu Passion und Auferstehung.
Offensichtlich
konnte sich der Kaiser dieses Kunstwerkes nur kurze Zeit erfreuen:
nach seinem frühen Tod (1002) ging es in die Hände seines
Nachfolgers Heinrich II. über, der es als Teil eines Bücherschatzes
dem neu gegründeten Bamberger Bistum schenkte. Hier überdauerte
das Evangeliar die Jahrhunderte wohl behütet bis zur Säkularisation
1803, die es - wie viele andere Pretiosen des fränkischen Nordbayern
- nach München führte. Das kostbare Original ist verständlicher
Weise nur sehr beschränkt einsehbar, auch die faksimilierte Ausgabe
ist - schon allein ob des Preises - nur bedingt verfügbar. [1]
So bietet die digitale Edition eine kostengünstige Alternative.
Sie kann wahlweise auf Festplatte installiert oder von der CD-ROM
direkt betrieben werden (ein hinreichend schnelles Laufwerk mit mindestens
32-facher Geschwindigkeit vorausgesetzt). So präsentiert sich
ein virtuelles Buch, das mit der Maus zu handhaben ist. Jederzeit
ist über die Navigationsleiste ein Inhaltsverzeichnis verfügbar,
das auch eine gezielte Fortbewegung quer durch das Evangeliar ermöglicht.
Wahlweise lassen
sich die Seiten realistisch blättern (hierfür muss QuickTime
installiert sein) oder der Schnellmodus springt auf Mausklick
direkt zur nächsten aufgeschlagenen Gesamtansicht. Jedes Blatt
lässt sich in einem vergrößerten Modus betrachten,
der ihm Erläuterungen buchstäblich zur Seite stellt. Eine
Lupenfunktion erlaubt zudem die Betrachtung ausgewählter Details.
Die Informationen zum Kanonteil bieten eine kurze Übersicht zum
Wesen der Kanontafeln, konzentrieren sich aber vor allem auf die Beschreibung
der Darstellungen. Dagegen sind für den Evangelienteil die kompletten
Transkriptionen und die jeweilige Bibelstelle der modernen Einheitsübersetzung
verfügbar. Die Bedienung erschließt sich dem geübten
Benutzer rasch, im Bedarfsfall steht auch eine ansprechende und verständliche
Hilfefunktion zu Verfügung. Etwas dürftig fällt die
Einleitung mit sehr knappen Hintergrundinformationen zu Genre, Entstehung
und Bedeutung des Evangeliars auf. Hier führt bei intensiveren
Studien kein Weg an der genannten faksimilierten Edition mit Begleitband
vorbei. [2] Von Interesse wären sicherlich auch Ausführungen
zur Person des jugendlichen Kaisers Ottos III. [3] Mit Blick auf den
allgemein guten Literaturstand - gerade im Gefolge der Magdeburger
Ausstellung entstand eine Fülle neuer Veröffentlichungen
zur ottonischen Zeit - sind diese Auslassungen jedoch durchaus gerechtfertigt.
Bedauerlich bleibt allerdings die selbst bei hochauflösenden
Bildschirmen nicht recht befriedigende Bildqualität der Standardansicht;
der volle Zauber der Schmuckseiten entfaltet sich erst auf 17"-Monitoren,
auch wenn der Vergrößerungsmodus einen Teil dieses Mankos
ausgleicht (leider lassen sich die Seiten nicht in unmittelbarer Folge
in diesem Modus aufrufen). So wirkt das Fehlen einer Exportmöglichkeit
der herrlichen Bilder reichlich knausrig - zumal der Freistaat Bayern
sowohl Eigentümer der Handschrift als auch Herausgeber dieser
Edition ist. Wer hier kleinlich mit etwaigen Einbußen beim Verkauf
von Kunstpostkarten argumentiert, scheint die
Möglichkeit der Bildentnahme über den Screenshot nicht zu
kennen, die erfreulicherweise möglich ist.
Insgesamt bietet
die CD eine gute Übersicht über eine der bedeutendsten Handschriften
des Abendlandes. Sie eignet sich zur schnellen Orientierung für
den Fachmann, aber eröffnet auch dem Laien in flüssig geschriebenen
Texten die Kunstfertigkeit der Buchmalerei auf der Reichenau. Obwohl
sie als Faksimile der gedruckten Ausgabe nicht gewachsen sein mag,
so bietet sie doch eine Einladung, mehr als einen Blick auf diese
funkelnde Facette des Mittelalters zu werfen.
Anmerkungen:
[1] Das Evangeliar Ottos III. Clm 4453 der Bayerischen Staatsbibliothek
München, Frankfurt am Main/München/Stuttgart 1978.
[2] Zu erwähnen ist die ebenfalls zitierte jüngere Edition:
Florentine Mütherich/Karl Dachs (Hg.): Das Evangeliar Ottos III.
Clm 4453 der
Bayerischen
Staatsbibliothek München, München/London/New York 2001.
[3] Vgl. hierzu etwa Eduard Hlawitschka: Kaiser Otto III., in: Karl
Rudolf Schnith (Hg.), Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern,
Graz u.a. 1990, S. 155-165.
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