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Tanz
um die Banane - Handelsware und Kultobjekt WWW: http://www.tanz-um-die-banane.de/ Rezensiert von Simone
Wörner M.A., Hamburg |
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Der Titel weckt Erwartungen auf den großen Wurf: Eine Ausstellung zum Thema Banane, die sich nicht allein um den wirtschaftlichen Aspekt dreht, sondern Symbolgeschichte schreiben möchte und in der Frucht gar ein Kultobjekt zu erkennen vermag, macht neugierig und Lust auf einen Besuch. Der Rundgang beginnt, doch bereits die erste Station stimmt ratlos. Der Garten Eden tut sich auf, gestalterisch in einen Guckkasten umgesetzt, in dem vier Paradiesvorstellungen aus fünfeinhalb Jahrhunderten, von Meister Bertram bis Emil Nolde, durch Gucklöcher zu betrachten sind. Irritation kommt auf, denn zwischen all dem Paradiesischen fehlt allein - die Banane. Das Rätsel des aufwendigen Vorlaufs hin zur "Musa paradisiaca" löst sich dann durch den Hinweis auf die im Nebulösen bleibende "alte Legende", derzufolge die Frucht des Baumes der Erkenntnis eine Banane gewesen sein soll. Diese erste Ernüchterung können leider auch durch die wie immer hinreißenden botanischen Kupferstiche etwa einer Maria Sybilla Merian nicht wettmachen. Man folgt nun dem Rundgang durch gemalte Urwaldkulisse und schlichtes Stellwandsystem, begleitet die "Banane auf Reisen", verfolgt Werbestrategien für das gesunde Obst, betrachtet die Banane auf dem Weltmarkt, historisch und aktuell, inklusive der Darstellung von Arbeitsbedingungen, die man von einer Ausstellung im Museum der Arbeit ja auch erwarten darf. Dann werden die Symbolgeschichte der Frucht im Hinblick auf das Ost- und Westdeutschland der Wendezeit betrachtet (Stichwort "Zonen-Gaby"), die Banane in der Kunst gezeigt, Bananenschlager der 1920er Jahre präsentiert, die Bananenflanke erwähnt, Josephine Bakers Bananentanz, wiederum in Urwaldkulisse, gewürdigt und Postkartenserien ausgestellt. Hinter jeder Ecke wartet ein neuer Aspekt dieser vielseitigen Frucht. Immer wieder ist
man von der immensen Objektfülle beeindruckt. Die meisten der
gezeigten 800 Gegenstände stammen aus den beiden Privatsammlungen
der ausgewiesenen Bananensammler Wulf Goebel (Frankfurt) und Bernhard
Stellmacher (Sierksdorf), denen ebenfalls eigene Ausstellungseinheiten
gewidmet sind. Die dadurch entstandene einmalig gute Objektlage erweist
sich jedoch als Fluch und Segen zugleich. Als Segen, weil die Ausstellungsmacher
alles an zwei Orten konzentriert gefunden haben und aus dem Vollen
schöpfen konnten, als Fluch, weil man genau das getan hat und
dabei offensichtlich ein klares Objektkonzept, so es zuvor existierte,
verloren ging bzw. man Die Ausstellungsmacher scheinen in der Tat manchmal vor lauter Bananen und der verständlichen Begeisterung darüber aus den Augen verloren zu haben, was dem Ausstellungsverlauf dienlich ist, und wann es einfach zu viel wird. Es wurde betrüblicher Weise auf nichts verzichtet, wo Banane drin oder drauf ist. So hängen beispielsweise Werbeplakate aus Spanien und Italien an der Wand, deren Dasein sich wirklich nicht erschließt, zumal hier, wie auch an vielen anderen Stellen auf eine Objektbeschriftung ganz verzichtet wurde oder eine solche unvollständig oder gar fehlerhaft war. Damit sind die Sachzeugnisse der Beliebigkeit anheimgegeben. Dass eine Bananisierung
leider auch zur Banalisierung geraten kann, fiel etwa, um nur ein
Beispiel zu nennen, bei einer witzigen Fotoreihe Nun ist die Ausstellung also in Mannheim zu sehen und soll, wenn Interesse besteht, weiter wandern. Ihr zu wünschen wäre, dass zumindest der in hohem Maße ärgerliche nachlässige und achtlose Umgang mit der Benennung der Dinge und damit mit den Dingen selbst für diese zweite Station behoben sein wird. Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen, ein Begleitbuch, kein Katalog. So erfährt man darin zwar mehr Details zu einzelnen Themen. Die in der Ausstellung präsentierten Gegenstände finden leider einmal mehr keine Würdigung. Und damit wird man die im Faltblatt besungene "'goldgelbe' Gesamtschau" mit ihrer "Fülle von Objekten, die in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen waren" (übrigens glücklicherweise ein Kennzeichen der meisten Ausstellungen) bedauerlicher Weise zu Hause auf dem Sofa, mit einer Banane in der Hand, im Katalog schmökernd, nicht mehr nachvollziehen können. |
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Museen
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Dokument erstellt am 24.01.2004