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Bibel, Schwert und Götterglaube - die Multimediashow "Die Quelle" Museum
für Hamburgische Geschichte, Hamburg Rezensiert von |
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Ein dunkler Kasten im Innenhof des Museums für Hamburgische Geschichte. Beim Nähertreten erkennt der Besucher auf den Außenwänden die Andeutung alter Holzbalken, alter Schnitzereien, er steht vor der Nachbildung einer alten schwedischen Holzkirche. Das "Kircheninnere" ist Ausstellungsort der Sonderschau und gleichzeitig der Ausgangspunkt einer Zeitreise in das Mittelalter. Objekte, Installationen und Imaginationen versuchen die Ursprünge des Christentums im Norden lebendig werden zu lassen. Die Multimedia-Show "Die Quelle" wurde vom schwedischen Västergotlands Museum entwickelt und gemeinsam von der Diözese Skara Stift, dem York Archeological Trust, dem Erzbistum Hamburg und der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche produziert. Sie wird in drei Sprachen an verschiedenen Orten in Schweden, Großbritannien und Deutschland gezeigt. Göran Elisson vom Västergotlands Museum vergleicht zu Recht die Ausstellung mit dem Theater Brechts: die Objekte erzählen Geschichten, diese treffen auf den Besucher, letzterer ist mit seinen eigenen Vorstellungen und Bildern Akteur der Ausstellung. Jede Ausstellung wird so zum "multimedialen" Ereignis, sie spiegelt die Alltagsrealität der Besucher und greift durch Positionsbestimmungen in den gesellschaftlichen Diskurs ein. Diese "Sinnlichkeit" einer Ausstellung zu verstärken, die Menschen in eine Diskussion mit den Objekten und in letzter Konsequenz auch mit ihrer eigenen Geschichte zu führen, ist erklärtes Ziel der Ausstellungsmacher. Sinnlich ist diese Ausstellung, keine Frage. Erzählt wird die Geschichte der Taufe des schwedischen Königs Olof Skötkonung um das Jahr 1000 in der Quelle von Husaby. Nach seinem Tod versammeln sich in der fiktiven Erzählung die Großen des Reiches, um zu klären, wem die Ehre der Taufe gebührt und zu welcher Kirche Husaby künftig gehören soll. Im Zentrum des als Kirchenraum gestalteten Ausstellungsraumes steht eine Taufbecken aus Holz, seine imaginäre Wasseroberfläche wird zur Projektionsfläche für Bilder und Texte, ebenso wie die Wände der "Kirche", wie Vitrinen und Objekte. Die Licht und Tonregie setzt einen dramatischen Anfang, im dunklen Kirchenraum wird eine Gewitter mit Donner und Blitz inszeniert. Dann beginnt die eigentliche Erzählung, auf der zentralen Projektionsfläche ein "Spielfilm", die Hauptperson "Elisabeth" begrüßt den Besucher und führt in Ort und Zeitpunkt des Geschehens ein: Schweden, Husaby um 1060. Wechselnde Personen berichten nun über ihre Position im Konflikt um die Christianisierung des Nordens, doch nicht nur als "Spielfilm". Der gesamte Raum wird zur Projektionsfläche, König Olof spricht aus dem Taufbecken, der Bischof von York oder der Bischof von Bremen erscheinen als Steinbilder an den Wänden. Die Lichtregie setzt Akzente, erhellt thematisch zugeordnete Vitrinen oder Bilder oder läßt sie wieder im Dunkel verschwinden. Einige wenige ausgewählte Objekte, ein Bischofsstab, ein Kreuz, ein Modell der Kirche von York strukturieren die Erzählung. Aber auch atmosphärischen Veränderungen ist der Raum unterworfen, "Kerzen" erhellen den Kirchenraum, Feuer scheint die Wände zu verzehren bei den Auseinandersetzungen zwischen "Heiden" und Christen. Im hinteren Teil der "Kirche" öffnet sich scheinbar ein Altarraum, aber wie die anderen Objekte bleibt er hinter einem Vorhang aus Rupfen, nah und doch ungreifbar, unwirklich. Historische Quellen, wie die Berichte zeitgenössischer Chroniken werden in den Texten zitiert, sie bilden immer wieder die Grundlage des Textes und werden geschickt in die "Spielhandlung" eingebaut. Historische Abbildungen, zeitgenössische Darstellungen scheinen zu sprechen, zu debattieren, lebendig zu werden. Die Texte erhalten auch für den Laien eine Lebendigkeit, die sie sonst nur dem im Umgang vertrauten bieten. Klare Bildzuordnungen erleichtern das Verfolgen der Debatten. Immer wieder neue Personen werden zum Träger der Erzählung, schildern ihre Sicht der Ereignisse und zeigen so auf einfache Weise die Vielschichtigkeit der historischen Prozesse. In der Verbindung von historischen Texten, atmosphärischer Raumgestaltung, Objektinstallation und Musik liegt die besondere Stärke dieser Multimedia-Show. Ihre Schwäche liegt in den "Spielfilmsequenzen". Die Spannung der "sprechenden Quellen und Objekte" wirkt sehr viel stärker als die der Mittelalter spielenden Schauspieler. Es erscheinen Mittelalter Klischeebilder, die überflüssig und unnötig sind neben den "Originalen". Die Bilder erscheinen zu glatt, zu oberflächlich, sie suggerieren eine Authentizität, die so nicht gegeben ist. Vom Bild im Kopf des Besuchers sprach der Ausstellungsmacher bei der Eröffnung: Eine gute Textauswahl, eine konzentrierten Auswahl von Objekten und eine stimmige Regie bieten den Raum, solche Bilder im Kopf des Besuchers entstehen zu lassen, doch durch die allzu glatten Spielfilmsequenzen werden sie blockiert. Schade! Angesprochen auf die Spielfilmszenen gaben die Ausstellungsmacher an, die Menschen hinter den Objekten zeigen zu wollen. Dies wird aber meines Erachtens bereits durch die "menschliche" Stimme hinter den Objekten erreicht. Ein schöner, leider nur an wenigen Stellen angewendeter Kunstgriff bleibt die Einbeziehung der heutigen Menschen in den Bildern, so bei einer Aufnahme der Kirche in Husaby. Die Spielszenen wären auch als "Spiel" heutiger Menschen mit dem Mittelalter denkbar, diese Brechung ließe den nötigen Freiraum für eigene Gedanken und Bilder der Besucher. Auch die Texte legen einen solchen Spannungsbogen nahe, so fragen die Bischöfe nach dem Zustand der Welt in tausend Jahren. Dabei kann die Multimedia-Show durch die Verbindung der verschiedenen Ausstellungsebenen mehr als Kino, nicht zuletzt bieten sich dem Besucher immer neue Perspektiven im Raum, da er nicht auf den Blick auf eine Projektionsfläche reduziert wird. Ein spannendes Projekt, ein guter Ansatz , ein Verzicht auf das Mittelalter a l a Hollywood wäre lohnender gewesen. Weitere Infos zu dem Multimedia-Projekt "Die Quelle" finden sich unter www.husaby-well.com. |
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Dokument erstellt am 28.02.2000