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Ausstellungsbesprechung

 

Wilhelm II. und Ludwig v. Bayern

Rezensiert von
Joachim Schmiedl
Theologische Hochschule Vallendar

Bayern & Preußen & Bayerns Preußen.
Schlaglichter auf eine historische Beziehung

8. Juli bis 10. Oktober 1999
Kulmbach, Plassenburg

Website:
http://www.bayern.de/HDBG/bpstart.htm
(letzter Zugriff am 6.8.1999)

Ausstellungskatalog
Erichsen, Johannes / Brockhoff, Evamaria (Hg.):
Bayern & Preußen & Bayerns Preußen. Schlaglichter auf eine historische Beziehung (Veröffentlichungen zur Bayerischen Kultur und Geschichte, Nr. 41/99), Augsburg: Haus der Bayerischen Geschichte 1999 (Buchhandelsausgabe: Regensburg: Pustet 1999)

Gliederung:
Ausstellungsort
Ausstellung
Internet-Präsentation
Ausstellungskatalog
Fazit


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Der Ausstellungsort

Die diesjährige Landesausstellung, die vom "Haus der Bayerischen Geschichte" unter das Thema der von vielen Klischees behafteten Beziehung zwischen Bayern und Preußen gestellt wurde, wird an zwei Orten gezeigt. Der "preußische" Teil der Präsentation fand bereits statt: vom 13. Mai bis 20. Juni in der Vertretung des Freistaats in der Bundeshauptstadt. Für den "bayerischen" Teil, der wesentlich erweitert wurde, wählten die Ausstellungsmacher eine historische Kulisse. Die hoch über der oberfränkischen Biermetropole Kulmbach gelegene Plassenburg war seit dem 14. Jahrhundert fränkische Nebenresidenz der Hohenzollern. Nach der Zerstörung im zweiten Markgräfler Krieg wurde die Plassenburg wieder aufgebaut. Besonders sehenswert ist heute noch der im Renaissance-Stil erbaute "Schöne Hof". Die Plassenburg beherbergt das Deutsche Zinnfigurenmuseum, das in Teilen in die Ausstellung mit einbezogen ist.

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Die Ausstellung

In vierzehn Abteilungen geht die Ausstellung dem Verhältnis von Bayern und Preußen vom Spätmittelalter bis zur Auflösung der Länder im Frühjahr 1933 nach. Die gemeinsame Geschichte begann 1323, als Kaiser Ludwig der Bayer seinen Sohn Ludwig mit der Mark Brandenburg belehnte. Diese durch Urkunden veranschaulichte Periode blieb zwar nur Episode, doch endete sie mit dem Tausch der Mark gegen ehemals böhmische Besitzungen in der Oberpfalz, das von da an bayerisches Einflußgebiet war.

Der nächste Teil der Ausstellung konzentriert sich auf den Aufstieg des schwäbischen Adelsgeschlecht der Zollern, die seit 1192 als Burggrafen von Nürnberg amtierten. Durch Erbschaften konnten sie ihren Einfluß beständig ausdehnen. Besonders die Gegenden um Ansbach und um Kulmbach/Bayreuth wurden zu Zentren ihrer Hausmacht. Seit 1363 waren sie Reichsfürsten. 1415/17 wurden die Hohenzollern mit der Markgrafenschaft Brandenburg belehnt und rückten in die Reihe der Kurfürsten auf. Die Ausstellung veranschaulicht die Ausdehnung der Rechte und die Zunahme an Reichtum; leider sind zentrale Exponate, wie der Cadolzburger Altar, nur in fotografischer Reproduktion zu sehen.

Eine Weichenstellung bildete die Reformation. Ein Blick auf das Markgrafenfenster von St. Sebald zu Nürnberg veranschaulicht, wie sehr die Stellung zu Luther die Familie spaltete. Erzbischof Albrecht von Brandenburg war ebenso Hohenzoller wie der gleichnamige Hochmeister des Deutschen Ordens, der sein Land 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umwandelte. Die enge Beziehung der Hohenzollern zu Luther und der evangelischen Lehre veranschaulichen mehrere Luther-Bibeln, Konfessionsbilder, Katechismen und ähnliches.

Weiter verfolgt wird in der Ausstellung nun freilich zunächst nur die fränkische Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die Herzogtümer Ansbach und Bayreuth, an deren Höfen sich eine repräsentative barocke Kultur entfalten konnte. Eine bunte Vielfalt an Theater, Musik und Festen bildete sich um die Musenhöfe. Der Adel vollzog das fürstliche Repräsentationsbedürfnis mit. Am Beispiel des Reichsritters Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar wird adeliges Selbstbewußtsein deutlich.

Die Markgrafen zogen die Ressourcen für ihre Prachtentfaltung aus den Reichtümern Frankens. Hier zeigt die Ausstellung die Nutzung der Wälder, der Bodenschätze, die Landwirtschaft, die Glas- und Porzellanindustrie. Die Frage nach den Lebensbedingungen der einfachen Leute wird jedoch für die alteingesessene Bevölkerung ausgeklammert.

Ein Modernisierungsschub ergab sich, als sich nach der Aufhebung der Edikts von Nantes 1685 französische Protestanten in Franken niederließen. Von der Ansiedlung von Fachkräften und Manufakturunternehmern versprachen sich die Markgrafen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Hugenotten wurden vorzugsweise in der Gegend um Schwabach und Roth angesiedelt, um das dortige Teppich-, Strumpf-, Hut- und Drahtgewerbe anzukurbeln. Eine eigene Stadtgründung für sie war Erlangen, das schließlich zum Sitz der Landesuniversität wurde. Ging die religiöse Integration der Calvinisten im Geist der Toleranz noch einigermaßen reibungslos vonstatten, ergaben sich für die Religionsausübung der katholischen Gemeinde in Bayreuth erhebliche Schwierigkeiten.

Einen gewissen Bruch in der Ausstellungslinie stellt die folgende Abteilung dar. Sie geht nun von der fränkischen zur bayerischen Geschichte über. 1742 wurde zwar ein Wittelsbacher zum Kaiser gewählt, doch in der Folge geriet Bayern in den Strudel der Machtkämpfe zwischen Österreich und Preußen. Letzteres entwickelte sich für Bayern zur Schutzmacht. Im letzten Viertel des 18. Jahrhundert bestand mehrmals die Gefahr, daß Bayern als eigenständige Macht zugunsten Österreichs aufgelöst würde. Immer wurde das durch Preußen verhindert, das so zum Retter der bayerischen Eigenstaatlichkeit wurde. Die hohe Wertschätzung Friedrichs des Großen geht auf diese Auseinandersetzungen zurück. Ab hier wird in der Ausstellung immer wieder ein Exponant-Typ gezeigt, der bislang weitgehend übersehen wurde. Es handelt sich um historische Schützenscheiben, die sowohl durch die bildliche Darstellung von Ereignissen als auch durch beigefügte Textumschriften hervorragende Zeugnisse der jeweiligen zeitgenössischen Mentalität sind.

1792 fielen Ansbach und Bayreuth an die Berliner Hauptlinie der Hohenzollern. In fünfzehn Jahren nahm der spätere Reformer Preußens, Karl August Freiherr von Hardenberg, seine Ideen bereits in Franken vorweg. Die Verwaltung wurde vereinfacht, die Wirtschaft gefördert. Die grundlegende Modernisierung geschah auf Kosten der Fürstbistümer Würzburg, Bamberg und Eichstätt sowie des Reichsadels. Die Erwartung, manifestiert auf Schützenscheiben: unter dem preußischen Adler in Frieden leben zu können.

Mit der Erhebung zum Königreich 1806 und der Einverleibung der fränkischen Gebiete - "Bayerns Preußen" - begann für Bayern eine neue Epoche. Die bisher selbständigen Landschaften mußten in das neue Staatsgebilde integriert werden. Doch bereits Ludwig I. akzentuierte wieder die Teilgebiete. Seiner "teutschen" Gesinnung entsprach der Föderalismus der Regionen. Zusammengefügt werden sollten diese durch den Rekurs auf die gemeinsame Geschichte (Walhalla), durch Förderung romantischer Bauprojekte und den wirtschaftlichen Zusammenschluß in einem gemeinsamen Zollgebiet.

Bayern und Preußen - das war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch der dynastische Austausch zwecks Heirat. Eine bayerische Prinzessin in Berlin und eine preußische Prinzessin in München wurden verstanden als Allianz zwischen Bavaria und Borussia. Romantische Genrebilder zeigen beginnende Klischees auf.

Zunächst aber wird der Konflikt um die Reichsgründung dargestellt. Kleindeutsche oder großdeutsche Lösung schied Preußen und Bayern. Die Auseinandersetzungen wurden vor allem auf dem Weg über die Karikatur und Satire ausgetragen. Symptomatisch für die sich in den Jahren um 1850 bildende Antagonisierung zwischen Bayern und Preußen war der Streit um die Berufung der "Nordlichter" an die Münchener Universität. Der Umschwung zugunsten Preußens kam 1866: Bayern mußte einige Gebiete an Preußen abtreten und Schadensersatz zahlen; in einem Geheimvertrag unterstellte es seine Truppen im Bedarfsfall dem preußischen Oberbefehl; zur eigentlichen "Brücke über den Main" wurde der Krieg gegen Frankreich, an dessen Ende die dem preußischen König vom bayerischen König angetragene Kaiserkrönung in Versailles stand.

Die Ausstellung zeigt, wie sich die Beziehungen zwischen Bayern und Preußen während des Kaiserreichs zusehends personalisierten. Bismarck und Ludwig II. (dessen nicht zur Ausführung gekommene Pläne für eine "Raubritterburg" auf dem Falkenstein bei Pfronten in einer Computer-Animation zu sehen sind) wurden zu Identifikationsfiguren. Dasselbe galt für Kaiser Wilhelm I. und den bayerischen Prinzregenten Luitpold. Karikaturen - in der Ausstellung auf langen Transparenten zu sehen, wenn auch manchmal nur unscharf zu lesen - bestimmten die beiderseitige Wahrnehmung. Preußenfreundlichkeit und Antipathie wechselten sich ab: Wilhelm II. wurde auch in Bayern gefeiert; die negative Haltung des letzten bayerischen Königs führten die Zeitgenossen auf die "preußische Kugel" zurück, die ihn 1866 im Bein getroffen hatte.

Ein letzter Blick auf die gemeinsame Geschichte behandelt die Weimarer Republik. Das Ende für die Eigenständigkeit beider Länder war mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten gekommen.

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Internet-Präsentation

Auf den Internet-Seiten des Hauses der Bayerischen Geschichte (http://www.bayern.de/HDBG/bpstart.htm) finden sich zunächst allgemeine Informationen zur Ausstellung, und zwar sowohl zur Berliner wie zur Kulmbacher Präsentation. Die einzelnen Teile der Ausstellung werden sodann in kurzen Schlaglichtern vorgestellt. Als "Appetithappen" sind eine Reihe von Objekten bildlich beigegeben. Wer allerdings im Internet-Buchladen des Veranstalters nach dem Ausstellunskatalog sucht, wird nicht fündig werden. Weder im dortigen Angebot noch über die Suchmaschine ist diese Publikation zu ermitteln.

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Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung ist ein ausführlicher Katalog erschienen. Vierzehn wissenschaftliche Beiträge vertiefen die Thematik der Ausstellung. Sie behandeln den gesamten dargestellten Zeitraum, wobei freilich die Jahrhunderte der Frühen Neuzeit praktisch ausgeblendet sind. Die Exponate sind einzeln beschrieben, zum großen Teil auch mit Abbildungen. Mit mehr als 300 Seiten stellt dieser Teil des Katalogs ein gut fundiertes Handbuch zur fränkisch-preußischen und bayerischen Geschichte dar.

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Fazit

Die Ausstellung gibt einen sehr guten Einblick in die Geschichte dreier deutscher Regionen. Nicht geklärt wird die Frage, was und wer denn eigentlich unter "Bayern", "Preußen" und "Franken" zu verstehen sei. Deutlich wird, wie sehr der Begriff im Lauf der Geschichte seinen Bedeutungsumfang verändert hat. Die Ausstellung leistet - trotz des provozierenden Titels - einen wichtigen Beitrag zur Erhellung der Entstehungsgeschichte von Klischees.

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© Joachim Schmiedl
Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 6.8.1999