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Ausstellungsbesprechung

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Krönungen
Könige in Aachen - Geschichte und Mythos

12. Juni 2000 - 3. Oktober 2000

Katalog:
Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos. Katalog der Ausstellung in zwei Bänden, hg. von Mario Kramp, Mainz 2000

Ausstellungsseite: 
http://www.kroenungen.de

Rezensiert von:
Eva-Maria Butz, 
Historisches Institut der Universität Dortmund


Der 1200. Jahrestag der Krönung Karls des Großen zum ersten mittelalterlichen Kaiser in Rom bot dem Verein Aachener Krönungsgeschichte e.V. und der Stadt Aachen den Anlaß, sich der Geschichte der Krönungen in Aachen im Rahmen einer Ausstellung, die bis Anfang Oktober dauerte, zuzuwenden. Neben der Geschichte sollte auch der Mythos, der sich um die Person Karls des Großen, um die Krönungen selbst sowie die entsprechenden Insignien rankte Berücksichtigung finden. Der zeitliche Bogen wurde deswegen von der Zeit Karls des Großen bis in das 19. und 20. Jahrhundert, als im Nationalismus die Themen „Reich“ und „Krone“ eine neue, besondere Rolle spielten, gespannt. Die Pfalz in Aachen war im Mittelalter der herausragende Krönungsort derjenigen Könige, die in der Nachfolge der ostfränkischen Herrscher standen. Seine Funktion verdankte der Ort Karl dem Großen, der die Pfalz im Zusammenhang mit seiner Kaiserkrönung errichten ließ, ebenso wie der bald nach dem Ende des Karolingerreiches entstandene Karlstradition, der sich auch die nachfolgenden Herrscher sahen. Insofern handelte es sich um eine wichtige und sicherlich auch bedeutende Ausstellung, die allein schon aufgrund des umfangreichen Kataloges einen ausführlichen Rückblick erfordert. 

Webpräsentation: 
Selbstbewußt präsentiert sich die Ausstellung auch im Internet. Unter dem Motto „Wie eine Krönungsausstellung zum Ereignis wird“ wird eine kurze Einführung in die Ausstellung und den Ausstellungsort gegeben, wobei die Replik der Reichskrone als Herzstück der Ausstellung, die virtuelle Pfalz und die rekonstruierten Karlsfresken im Rathaussaal besonders hervorgehoben werden. Hinter dem Bild des Krönungsfreskos verbergen sich eine Vielzahl von Kategorien, die durch Anklicken einzelner Bildteile aufgerufen werden können. Dabei werden anhand kurzer Texte, denen Bildern von einigen Exponaten beigegeben sind, Fragen nach dem Ablauf einer Krönung oder wie man Nachfolger Karls des Großen werden konnte, beantwortet. Einen Ausstellungsrundgang am Bildschirm erreicht man über einen Link unter der Rubrik „Exponate aus ganz Europa“ oder über das Kronensymbol. Auf einem Zeitstrahl von 800-2000 erhält man unter der Rubrik Chronologie die wichtigsten historischen Daten zu Krönung und Aachen, unter der Abteilung Exponate wird mit ausgewählten Fotos von Ausstellungsobjekten ein Überblick über die Ausstellung gewährt, der verschiedentlich weiter vertieft werden kann. Die Reichskleinodien haben eine eigene Rubrik erhalten, die ebenfalls mit Abbildungen ausgestattet ist. Desweiteren bietet diese Seite weitere Informationen für Besucher. Über den zweibändigen Katalog wird an dieser Stelle genau informiert. Es wird nicht nur ein Inhaltsverzeichnis angeboten, sondern auch die Möglichkeit, kurze Zusammenfassungen der Beiträge aufzurufen. Insgesamt eine sehr ansprechende und informative Seite, auch wenn die eigentlich Hauptseite nur nach langwieriger Suche aufzufinden ist

Die Ausstellung:

Die Ausstellung selbst fand auf dem Boden der ehemaligen Pfalz statt, wobei der Krönungssaal des Rathauses, das auf den Grundmauern der ehemaligen aula regis errichtet wurde, durch die Fresken Rethels aus dem 19. Jahrhundert nicht nur Raum der Ausstellung war, sondern selbst zum Ausstellungsobjekt wurde. Weiterhin gehörten zu den Ausstellungsräumen der Aachener Dom und die Schatzkammer. Der Hauptteil der Schau war allerdings im historischen Rathaus zu finden.

3D CAD-Rekonstruktion und Simulation der Kaiserpfalz: Noch vor den Eintritt in die Ausstellung hat der Besucher die Gelegenheit, sich mit dem Ort, der Aachener Pfalz Karls des Großen, vertraut zu machen. Mittels einer beeindruckenden Computersimulation gelingt es, die Grabungsfunde und ihre Interpretationen in ein mögliches Bild umzusetzen, das dem Betrachter einen Eindruck von der Größe und Beschaffenheit der gesamten Anlage vermittelt. Dabei werden vom Kommentar die vielen Fragen, die sich noch heute zu Aufbau und Nutzung der einzelnen Gebäudeteile stellen, nicht ausgespart. Mit Quellenzitaten zur Geschichte der Pfalz werden die archäologischen Erkenntnisse ergänzt, so daß dem Besucher die unterschiedliche Fülle der Informationen, welche zu den bisherigen Forschungsergebnissen führten, mitgegeben werden. Schon an dieser Stelle klingt an, daß der „rechte Ort“ der Krönungen, Aachen, im Zentrum stehen wird. Dennoch ist es falsch, wenn der Kommentar den Bau der Kaiserpfalz als Ende des Reisekönigtums anpreisen will und Aachen damit nicht nur zum kaiserlichen Hauptort Karls des Großen, sondern auch zum Hauptsitz der deutschen Könige erklärt. Die Bedeutung der Aachener Pfalz im Zusammenhang mit dem imperialen Königtum und dem angestrebten Kaisertum, Aachen als zweites Rom, als Ort eines würdigen, repräsentativen Kaiserpalastes, wird allerdings hier ebensowenig wie in der Ausstellung thematisiert. Dennoch ist es mit der Rekonstruktion gelungen, dem Besucher ein plastisches Bild der karolingischen Kaiserpfalz, auf deren Gelände die Ausstellung stattfand, zu vermitteln.

Der Krönungssaal wurde in zehn Räume (zwei Reihen zu fünf Räumen) gegliedert, wobei der erste Raum, in der Mitte der ersten Fünferreihe, in Form eines Oktogons gehalten ist. Von hier aus führt der Weg den Besucher gegen den Uhrzeigersinn durch die restlichen quadratischen Räume.

Der erste Raum ist dem Thema „Krone und Krönungen“, der Herkunft und Entwicklung zur mittelalterlichen Königs- und Kaiserkrone gewidmet. Im Zentrum des Otkogons befindet sich die sogenannte Reichskrone aus dem 10./11. Jahrhundert. In ihr sahen die Ausstellungsgestalter das Herzstück der Schau, da in ihr die Traditionen römisch-antiker Kaiserzeit, des byzantinischen Kaisertums und frühmittelalterlicher Herrschaft verschmelzen. Die Entstehungszeit ist ungewiß, möglicherweise wurde sie für die Kaiserkrönung Ottos des Großen 962 angefertigt, unter Konrad II. erhielt sie ihren Bügel und seit dem 14. Jahrhundert galt sie als Krone Karls des Großen. Obwohl diese Krone, die über die Köpfe vieler Herrscher ging, die beiden Eckpunkte der Ausstellung „Geschichte und Mythos“ in sich verkörpert, wirkt sie an dieser Stelle deplaziert. Sie hat keinen Bezug zum Thema des Raumes und ist aus dem später folgendem Ensemble der salischen Reichsinsignien herausgenommen. Möglicherweise hat sie hier ihren Platz gefunden, da es sich um die erste „deutsche“ Krone handelt, die erhalten ist. In diesem Raum wird in erster Linie die Herkunft der Krone aus antiken Wurzeln gezeigt. Bereits in Ägypten wurden Herrscher gekrönt. In Griechenland und Rom wurde der Lorbeerkranz des Siegers, der auch von den erfolgreichen Feldherren getragen wurde, in der Form des Diadems Zeichen der Herrschaft. Dies wird in erster Linie anhand von antiken Statuetten und Münzbildern demonstriert. In welcher Form sich Herrschererhebungen in Zentral- und Westeuropa vor der Mitte des 8. Jahrhunderts durchgeführt wurden, und ob Kronen dabei eine Rolle spielten, ist nicht bekannt. Der (nur noch als Photo in Aachen vorhandene) sog. Thron des König Dagoberts sowie Funde von Herrschaftsinsignien aus einem Kölner Frauengrab zeigen dies an. Scheinbar ohne Zusammenhang wird in diesem ersten Raum das Fragment einer Bleiwasserleitung aus Ravenna gezeigt, deren Inschrift auf den Ausbau der Stadt unter Theoderich und dessen Anspruch auf eine Königsherrschaft weist. In der Beschriftung fehlt jeglicher Hinweis auf die Wirkung, die Ravenna mit ihren Bauten auf Karl den Großen hatte. Schließlich hatte dieser ein Reiterstandbild Theoderichs aus der italienischen Kaiserstadt nach Aachen bringen lassen. Der unwissende Besucher bleibt hier ratlos. Den Übergang zum nächsten Raum bildet die sogenannte eiserne Krone von Monza, die Karl der Große bei seiner Krönung zum „rex Langobardorum“ getragen haben soll. Der Eisenreif, der die sechs Platten aus dem 9. Jahrhundert trägt, soll aus einem Nagel vom Kreuz Christi geschmiedet sein, und schon der Krone Karls als Halterung gedient haben.

Der zweite Raum bringt nun das Thema, welches eigentlich die Grundlage der Ausstellung bildet: „Karl der Große und Aachen“. Im Zentrum des quadratischen Raumes befinden sich die Holzreste des sogenannten Karlsthrons, die vor der Ausstellung nochmals untersucht wurden. Mithilfe einer 14C-Untersuchung und der Dendrochronologie können die Hölzer in die Zeitspanne zwischen 770 und 820 datiert werden. Somit kann die Entstehung des Thrones nun wieder in die karolingische Zeit gesetzt werden. Die originalen Holzreste werden hier in einem Glasthron gezeigt, der das Ensemble der Pfalzkapelle nachbildet. Irritierend ist beim Betreten des Raumes, daß man sich dem Thron von hinten nähert. Grund für die Ausrichtung dürften zwei Säulen sein, die den Übergang in den dritten Raum markieren und zu der Inszenierung gehören. Diese waren nach Alkuin 798 aus Ravenna beschafft und in der Pfalzkapelle aufgestellt worden. Zwei Dinge müßten in diesem Zusammenhang eigentlich thematisiert werden. Zum einen, daß der Pfalzbau in Aachen bereits vor der Kaiserkrönung begonnen wurde. Zum anderen, daß selbst wenn der Thron auf um 800 datiert werden kann, die Frage bleibt, wofür er Karl dem Großen gedient haben mag. Denn er selbst wurde nicht in Aachen gekrönt und hatte der Überlieferung nach einen Thron in der aula regis zur Verfügung. Die Frage nach dem Zweck des Thrones in der Karolingerzeit hätte aufgeworfen werden können, zudem man sich besonders mit der neuen Datierung wieder mitten in der Forschung bewegt und diese dem Besucher präsentiert. Denkbar wäre beispielsweise die Errichtung dieses Thrones anläßlich der Erhebung Ludwigs des Frommen zum Kaiser in Aachen. Als Bestandteil der Krönungszeremonie ist er erst für die Krönung Ottos des Großen überliefert. Gerade die Bedeutung, welche der Thron für Aachen als Krönungsort im weiteren Mittelalter annahm sowie die neuen Datierungen hätten ihm eine Position an exponierter Stelle zugestehen müssen.

In diesem zweiten Raum werden weiterhin Karl und die Aachener Pfalz behandelt, aber auch die Kaiserkrönung, Stücke aus dem Domschatz, welche Karl gehört haben sollen bzw. aus der Aachener Hofschule stammten. Daneben werden auch herausragende Exponate präsentiert, welche im Zusammenhang mit anderen karolingischen Herrschern stehen, wie zum Beispiel das Figurengedicht Hrabanus Maurus mit einer Abbildung Ludwig des Frommen als „miles christianus“ oder die berühmte Reiterstatuette, welche wahrscheinlich Karl der Kahle in Auftrag gegeben hatte.

Im dritten Raum, der den Ottonen und Saliern gewidmet ist und unter das Motto „Renovatio imperii und Investiturstreit“ gestellt wurde, können in den Ausstellungsgegenständen die Rückbezüge zu Karl deutlich gefaßt werden. Mit Otto I., der sich in Aachen zum König krönen ließ, wurde der Grundstein für Aachen als königlicher Krönungsort gelegt. Sowohl Ludwig der Fromme als auch Lothar I. wurden in Aachen zu Mitkaisern erhoben und erst später vom Papst nochmals gekrönt. Somit beginnt eigentlich erst mit Otto die Königstradition Aachens. Besonders spektakulär war sicherlich die Öffnung der Grabstätte Karls bei einem Aufenthalt Ottos III. im Jahr 1000. Aus dem Grab soll Otto mehrere Gegenstände genommen haben, die auch ausgestellt werden, unter anderem die Stephansburse, das Evangeliar sowie den Säbel Karls des Großen. Während das Reliquiar tatsächlich noch aus karolingischer Zeit stammt, ist der Säbel in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts zu datieren. Diese Insignien sollten zukünftig eine wichtige Rolle bei Aachener Krönungen spielen. Aus ottonischer Zeit stammt auch die Heilige Lanze, welche unter den Saliern Bestandteil des Reichskreuzes wurde. In der Abteilung werden im übrigen die wichtigsten Insignien präsentiert, in denen sich die Herrschaftausübung der ottonischen und salischen Könige widerspiegelt und die auch sonst bei Ausstellungen gerne herangezogen werde. Dazu gehören beispielsweise die berühmten Elfenbeintäfelchen, welche die Krönung Ottos II. und der Theophanu bzw. das Kaiserpaar mit ihrem Sohn Otto III. zu Füßen Christi zeigen. Die salische Herrschaft wird unter anderem anhand des Perikopenbuchs Heinrichs III., das den Kaiser beim Einzug in eine Kirche mit Krone, Szepter und Reichsapfel zeigt, sowie mit Reichskreuz und Reichsschwert illustriert. Reichskreuz und Reichsschwert wurden unter den Saliern gefertigt. In diesem Zusammenhang muß auch die im ersten Raum ausgestellte Reichskrone gesehen werden, denn erst die in dieser Zeit entstanden Reichsinsignien, wurden häufig für künftige Krönungen verwendet.

Schon hier ist ein Problem der Ausstellung zu greifen: Mit dem „üblichen“ Inventar soll in dem Besucher das Thema Geschichte und Mythos von Krönungen nähergebracht werden. Dazu wäre es nach Ansicht der Rezensentin aber auch nötig gewesen, die jeweiligen Auffassungen von Herrschaft deutlicher zu skizzieren und anhand der Objekte zu betrachten. Denn erst so werden die Rückgriffe auf die Herrschaft Karls des Großen bzw. die neuen Formen der Herrschaftsrepräsentation, auch bei dem Zeremoniell der Krönungen, verständlich. In der Ausstellung wird die Krise des Kaisertums unter Heinrich IV. mit seinen weitreichenden Folgen zwar sinnfällig mit einer Miniatur aus der Vita der Mathilde von Tuszien und durch die Grabplatte des Gegenkönigs Rudolfs von Schwaben illustriert, allerdings wird im Kommentar zur Grabplatte kaum auf das Problem Wahl und Krönung eingegangen, noch die Platte selber genauer zum Thema Krönung/Krone beschrieben. Ihre alleinige Daseinsberechtigung in der Ausstellung ist die Bezugnahme auf Karl den Großen in der Umschrift. Die Beschriftung, die zudem tief und schlecht leserlich angebracht ist, weist zudem mit keinem Wort darauf hin, daß Rudolf mit allen Insignien königlicher Macht (Krone, Szepter und Reichsapfel) dargestellt ist.

Die Grabplatte Rudolfs von Schwaben bildet den Übergang zum Raum vier, der das Thema „Sacrum Imperium: Das Reich der Staufer und Friedrich Barbarossa“ vermittelt. Gerade unter Friedrich Barbarossa kann der Bezug zur Karl dem Großen deutlich gefaßt werden, da der Staufer die Heiligsprechung des Karolingers erreichte. Die Urkunde, in der Friedrich I. die angeblichen Privilegien Karls für Aachen bestätigt und sich ausführlich zu den Vorgängen und Hintergründen der Heiligsprechung Karls in Aachen 1165 äußert, ist in einer Bestätigung Kaiser Friedrichs II. erhalten. Die Beschriftung informiert allerdings weder über den Aussteller der Urkunde noch über den genaueren Zusammenhang der Entstehung. Es ist lediglich von der „Heiligsprechung Karls“ die Rede. In diesem Raum, der vor allem Friedrich I. gewidmet ist, werden eine ganze Anzahl von Gegenständen präsentiert, welche das staufische Selbstverständnis illustrieren, wie zu Beispiel eine Urkunde Barbarossas mit Goldbulle, der sogenannnte Cappenberger Barbarossakopf und die sogenannte Taufschale Barbarossas, sowie die Welfenchronik. Eine Verwandtschaftstafel des Kölner Klosters St. Pantaleon stellt die Rückführung der staufischen Dynastie auf die Ottonen und Salier dar, womit sich die Staufer als königliches Geschlecht legitimieren konnten. Die Bezüge der Staufer zu Italien werden mittels mailändischen Reliefs hergestellt. Das Selbstbewußtsein der kirchlichen Würdenträger nach dem Investiturstreit demonstrieren Grabfunde und Siegel.

Raum fünf ist den Doppelwahlen und europäischen Konflikten im 13. Jahrhundert gewidmet. In erster Linie wird die Herrschaft Friedrichs II. und die Zeit des Interregnums bis hin zu Rudolf von Habsburg behandelt. Hier beeindrucken besonders die in Palermo gefertigten Reichsinsignien, welche wohl für die Kaiserkrönung 1220 in Rom genutzt wurden, wie der sogenannte Mantel Karls des Großen, die Krönungsschuhe und das Zeremonialschwert. Auch die Krone, die Friedrich II. wahrscheinlich anläßlich seiner Kaiserkrönung trug, weist deutlich auf süditalienische Einflüsse hin. Ein Modell des Castel del Monte, das zu den bemerkenswerten Burgenbauten zählt, ist aus einer achteckigen Grundform entwickelt. Die geometrische Form erinnert an die Form der Pfalzkapelle. Dies war wohl der Grund, das das Modell der Burg in eine Wandöffnung zum angrenzenden Raum zwei „Karl und die Pfalz in Aachen“ positioniert wurde. Die Wirren des Interregnums sowie das Interesse des englischen, des kastillischen und des böhmischen Königs an der deutschen Königskrone werden - soweit möglich - an den Herrschaftinsignien und Zeichen königlicher Herrschaftsausübung skizziert. Dazu gehören eine Urkunde Wilhelms von Holland an den Aachener Rat, Szepter und Wappentruhe Richards von Cornwalls sowie eine Urkunde des Engländers für das Marienstift in Aachen, dem er seine Krönungsinsignien überließ, sowie Krone, Szepter und Reichsapfel aus dem Grab Ottokars II., welche das Selbstbewußtsein des böhmischen Königs zu jener Zeit demonstrieren. Die gestiegene Macht der Kurfürsten wird unter anderem anhand der Wahlurkunde für Albrecht von Habsburg deutlich, die mit den Siegeln aller sieben Kurfürsten bekräftigt wurde.

Für das 14. Jahrhundert in Raum sechs, stehen Ludwig der Bayer und Karl IV. als Repräsentanten. Der erste Blick gilt hier allerdings Heinrich VII., dessen kegelförmige Krone, wie sie auf einer Chorstuhlwange aus Trier dargestellt ist, bemerkenswert erscheint. Über diese Krone berichten auch zeitgenössische Chronisten anläßlich der Krönung des Luxemburgers zum König von Italien in Mailand und der Kaiserkrönung in Rom. Der Codex des Erzbischofs Balduin von Trier, dem Bruder Heinrichs VII., zeigt in der Bilderchronik die Krönung in Aachen, jedoch nicht eine solche Krone. Als bemerkenswertes Objekt dieser Abteilung ist die Krone der Karlsbüste, mit der wahrscheinlich Karl IV. 1349 in Ermangelung der Reichskrone in Aachen gekrönt wurde, zu nennen. Auch Friedrich III. (1442) und Ferdinand I. (1531) benutzen diese Krone. Herausgehoben aus den über 60 Objekten dieses Raumes seien noch die böhmischen Insignien, wie beispielsweise die sogenannte Wenzelskrone, die Karl IV. anfertigen ließ, nachdem sein Vater die böhmische Krone versetzt hatte, und das Wenzelsschwert. Verschiedenste Portraitbüsten, Risse vom Veitsdom sowie der Abguß einer Monumentalstatue Karls IV. vom Brückenturm in Prag zeichnen eine Bild von der Herrschaftsrepräsentation dieses Kaisers, der Prag zum neuen Zentrum im Reich ausbauen ließ.

Auch Raum sieben, der den Habsburgern in Aachen gewidmet ist, hat mit beinahe 70 Exponaten eine derartige Menge an Ausstellungsgegenständen erreicht, daß diese für den Betrachter kaum noch zu bewältigen ist. In erster Linie ist dieser Raum von den bekannten Portraits der Habsburger geprägt. Interessant sind die Objekte, mit denen eine Anbindung an die mittelalterlichen Herrscher gesucht wird. Maximilian I. ließ durch gezielte Ahnenforschung die Wurzeln seines Geschlechtes zu ergründen, das von den Hofhistoriographen bis auf Karl den Großen zurückgeführt wurde. Mit Hilfe der Drucktechnik konnten zu jener zeit schon Berichte über aktuelle Krönungen oder über die Geschichte verstorbener Herrschergestalten verbreitet werden, beispielsweise ein Bericht über die Kaiserkrönung Karls V. oder die Lebensbeschreibung Karls des Großen. Immer wieder taucht Karl der Große als Heiliger auf, so zum Beispiel in einer Darstellung auf einem Altarflügel der Kirche St. Jakob in Vetlà oder auf einem Schlußstein in der gotischen Aachener Chorhalle. Nur in der Domschatzkammer ist das Armreliquiar Karls des Großen zu sehen: Die in einer Rüstung steckende Hand wurde von König Ludwig XI. von Frankreich gestiftet und im Jahr 1481 in die Armreliquie in das Reliquiar übertragen wurde. Auch den Franzosen galt Karl als heiliger König, worauf in Raum neun nochmals Bezug genommen wird. Ein Zinnfiguren-Diorama aus dem Jahr 1965, das den Krönungszug Maximilians I. von Dom zum Rathaus darstellt, bietet dem Besucher der Ausstellung eine Anschauung von der Gestaltung eines solchen spätmittelalterlichen Zuges.

Überraschenderweise sind die Räume sieben und acht nicht durch eine Wand voneinander getrennt, wie dies bis dahin der Fall war. Übergangslos kommt der Besucher von dem Raum der Habsburger zu „Tradition und Erbe der Aachener Krönung“. Hier wird anhand von beinahe 80 Exponaten der Bogen von Ferdinand I., dem letzten in Aachen gekrönten König, bis zur letzten Krönung eines römisch-deutschen Königs überhaupt geschlagen. Ein spätmittelalterlicher Königsordo, der in einer Abschrift von 1530 gezeigt wird, blieb bis zum Ende des alten Reiches in Kraft. Auch für Ferdinand I. wurde eigens ein Szepter und ein Reichsapfel angefertigt. In der frühen Neuzeit, die von Entdeckungen geprägt war, verabschiedete man sich vom mittelalterlichen Weltbild. Das Symbol der Weltkugel wird zum exakt vermessenen Globus. Mittel- und Südamerika wurden im Namen Karls V. unterworfen, „christianisiert“ und die dort reichlich vorhandenen Bodenschätze ausgebeutet. In dieser Abteilung wird auch nochmals das Auge auf die prunkvollen Festmähler gezogen, die ein wesentliches Element der Aachener Krönungsfeierlichkeiten waren. Das erste Krönungsmahl ist im Rahmen der Krönung Ottos I. überliefert. Bis zum 13. Jahrhundert fanden die Festmähler in der Königshalle der karolingischen Pfalz, danach im Krönungssaal des gotischen Rathauses statt. Ein Modell gibt einen Einblick in die Gestaltung einer solchen Zeremonie im Krönungssaal, darüber hinaus zeugen unterschiedlichste Pokale, Geschirr und Besteck von der Festkultur der frühen Neuzeit. Aus religionspolitischen Gründen mußte sich Maximilian II. nach dem plötzlichen Tod des Kölner Erzbischofs, der ihn in Aachen krönen sollte, mit einer Krönung in Frankfurt Vorlieb nehmen. Obwohl die Stadt Frankfurt Aachen versicherte, die Rechte der Stadt als Krönungsstadt nicht beschneiden zu wollen, fand danach keine Krönung mehr in Aachen statt. Ein Kupferstich von 1792 zeigt die letzte Krönung eines römisch-deutschen Königs in Frankfurt/Main.

Herrscherinsignien wurden bereits seit der Salierzeit in schlicht gearbeiteten Stücken den verstorbenen Kaisern beigegeben. Seit der Zeit Sigismunds wurde es üblich, die verstorbenen Kaiser aufzubahren und dabei mit ihren Insignien in Form von Kopien zu präsentieren. Diese Funeralinsignien waren zum Teil sehr aufwendig gearbeitet. Stellvertretend kann die Stephanskrone des Königsreichs Ungarn als Funeralkrone besonders herausgehoben werden.

Mit Raum neun wendet sich die Ausstellung der Zeit der Französischen Revolution und Napoleons unter dem Motto „Königsmord und Kaiserkult“ zu. Im Zentrum dieses Raumes ist das Leichentuch eines französischen Königs aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Die französischen Könige, die sich ebenso wie die deutschen in der Nachfolge Karls des Großen sehen konnten, sandten das Leichentuch des jeweiligen Vorgängers auf dem Thron nach Aachen, wo nochmals eine Funeralfeier für den verstorbenen König abgehalten wurde. Dabei wurde das Leichentuch in der Pfalzkapelle drapiert. In der französischen Revolution wurden die Mitglieder der königlichen Familie hingerichtet. Haarlocken der Königsfamilie hatte Erzherzogin Margarethe von Habsburg aufbewahrt, die hier beinahe wie Reliquien der letzten Bourbonen wirken. Napoleon wollte seine Herrschaft und seinen imperialen Anspruch weder an das französische Königtum der vernichteten Bourbonendynastie noch an das Kaisertum des heiligen Römischen Reiches anbinden. Deswegen ließ er, dessen Markenzeichen der unverkennbare Zweispitz war, zum Zwecke seiner Krönung zum Kaiser in Paris eine neue „Krone Karls des Großen“ anfertigen. Im letzten Moment hat er sich jedoch für die Krönung mit einem goldenen Lorbeerkranz dem Vorbild der Antike entschieden. Beide Stücke sind in Kopien ausgestellt. Mit dem Lorbeerkranz wurde er auch auf Münzen und Medaillen abgebildet. Als offizielles Staatssymbol wählte Napoleon in Anlehnung an die römische Antike und Karl den Großen den nach links blickenden Adler. Zudem galt auch die Zikade als Zeichen des neuen Kaiserreiches. Die Darstellung solcher reich verzierter Insekten, wie man sie 1653 im Grab Childerichs fand, regten dies an. Da Childerichs Sohn als erster französischer König galt, konnte Napoleon damit an die Zeit der Merowinger und den vermeintlichen Beginn des französischen Königtums anknüpfen. Mit dem Einmarsch der Alliierten, der auf einem Bild anonymer Herkunft von 1814 gezeigt wird, wurde die französische Herrschaft über Aachen beendet.

Der letzte Raum der Ausstellung ist dem Zeitalter des Nationalismus und Historismus gewidmet. Zu diesem Thema gehören die Karlsfresken im Krönungssaal des Rathauses von Alfred Rethel, die sein Gehilfe Josef Kehren nach dessen Tod beendete. Drei im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bilder gelangten nun durch ein fotomechanisches Verfahren speziell für diese Ausstellung wieder an ihren angestammten Platz. Sujet dieses Raumes sind die Errichtung des zweiten deutschen Kaiserreiches und deren Vorgeschichte sowie die Zeit des Nationalsozialismus.

Wilhelm I. mußte bei seiner Krönung zum Kaiser im Jahr 1871 auf die in Wien aufbewahrte Reichskrone verzichten. Statt einer neuen Krone wurde nur das heraldische Bild einer Krone als Symbol herrscherlicher Macht geschaffen. Vielfach wurden Bezüge zu den mittelalterlichen Kaisern und dem ersten Kaiserreich gesucht. Wilhelm galt als Reinkarnation Barbarossas. Auf dem Bild „Deutschland - August 1914“ von Friedrich August von Kaulbach, das als gemalte Kriegserklärung an Frankreich zu verstehen ist, trägt eine kampfbereite, energische Germania die 1871 entworfene Kaiserkrone. Eine für 1915 geplante Krönungsausstellung in Aachen mußte abgesagt werden. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges fanden auch die Monarchien in Deutschland und Österreich-Ungarn ihr Ende. Dafür konnte die Stadt Aachen 1925 anläßlich der Jahrtausend-Ausstellung, mit der die Zusammengehörigkeit der Rheinlande mit dem Reich, die man mit der Eroberung Lothringens durch Heinrich I. 925 verwirklicht sah, auf die Kopien der Reichskleinodien zurückgreifen. Im Dritten Reich spielte die mittelalterliche Reichs- und Königstradition eine besondere Rolle, da sie die populären Kategorien Reich, Macht und Führertum sinnvoll hintermauern konnte. Dies wird anhand von Fotos sichtbar gemacht, die Hitler beispielsweise vor den Kopien der Reichskleinodien in Nürnberg in den Jahren 1934 und 1938 zeigen, oder an dem Eintrag Hermann Görings in das Goldene Buch der Stadt Aachen 1933. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fanden die Amerikaner die Kopien der Reichskleinodien in einem Stollen bei Siegen, die Originale später in Nürnberg. Mit dem Videodokument ihrer Übergabe an den österreichischen Bundespräsidenten im 1946 schließt die Ausstellung.

Resümierend bleibt neben der schon angebrachten Kritik zu vermerken, daß der weite Bogen, den die Ausstellung spannt, den Besucher an einem Tag überfordert. Angesichts der zeitlichen Erstreckung von Karl dem Großen bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts kann die Vielschichtigkeit des Themas und der gezeigten Exponate oftmals nur angedeutet werden. Die Beschriftungen, welche wohl wegen die Vielzahl der Exponate oft recht kurz gehalten sind, schaffen es häufig nicht, die Verbindung zwischen den gezeigten Gegenständen und dem Thema der Ausstellung, Könige in Aachen - Mythos und Geschichte, herzustellen. Dies mag vor allem an der Form der Ausstellung liegen. Die gelungene Präsentation im Internet weckt die Erwartung nach dem Einsatz moderner Medien innerhalb der Ausstellung. Darauf wurde aber, abgesehen von der 3D-Rekonstruktion der Pfalz, völlig verzichtet. Statt dessen wurde das Konzept einer klassischen „Vitrinenausstellung“ gewählt, welches über die weite Strecke des Rundganges zudem ermüdend wirkt.

Die Bedeutung der Krönungsstadt Aachen wäre nicht geschmälert worden, hätte man auch Bezug auf den Rang der Stadt im Rahmen der jeweiligen Herrschaft genommen. Fragen wie jene, welche Bedeutung Aachen im Itinerar der jeweiligen mittelalterlichen Herrscher hatte, wurden nicht gestellt. Damit hätte man aber die symbolische Bedeutung der Stadt für die Erhebung und Inthronisation der Könige weiter herausstellen können. Irreführend ist die Behauptung, daß eine Krönung in Aachen Vorbedingung für die Erlangung der Kaiserwürde war. Sowohl Heinrich II. als auch Konrad II., beide nicht in Aachen zu Königen gekrönt, errangen die Kaiserkrone. Die Tatsache, daß alle künftigen Kaiser in Aachen gekrönt wurden und die nicht in Aachen gekrönten Herrscher Rudolf von Rheinfelden Hermann von Salm, Friedrich (III.) der Schöne und Ruprecht von der Pfalz das Kaisertum nicht erlangten, kann schlecht als Grundlage für eine solche Feststellung dienen.

Trotz aller Kritikpunkte muß man den Ausstellungsmachern zugestehen, daß es nicht nur eine reine Kronen- und Insignienschau geworden ist. Vielmehr wurde versucht, mit den wichtigsten Objekten jeder Epoche Krönung, Mythos, Grundlage und Weiterleben königlicher Herrschaft zu der jeweiligen Zeit zu charakterisieren. Die Verbindung zwischen den Einzelobjekten und dem Ausstellungsthema, die in der Ausstellung manchmal nicht zustande kam, wird im Katalog geleistet, der an gesonderter Stelle besprochen wird. Die Eintrittskarte war für drei aufeinanderfolgende Tage für den Eintritt in die Ausstellung bzw. in die Domschatzkammer gültig. Diese Zeit benötigt man sicherlich, um Geschichte und Mythos der Krönungen in Aachen in vollem Maße zu erfassen.


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Dokument erstellt am 26
.10.2000