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Ausstellungsbesprechung

 

Die Kunst des Mittelalters in Hamburg: Die Burgen'

Helms-Museum, Hamburger Museum für Archäologie
und die Geschichte Harburgs
11.11.99 - 11.3.00

Rezensiert von
Eva-Maria Butz
Historisches Institut, Universität Dortmund

Katalog
Ralf Busch, Die Kunst der Mittelalters in Hamburg. Die Burgen, Hamburg 1999. 
ISBN 3-933374-47-2, 118 S., 29,80 DM 
(wird gesonders rezensiert)


Die Ausstellung über die mittelalterlichen Burgen im heutigen Stadtgebiet Hamburgs ist Teil einer umfassenden Schau zur Kunst des Mittelalters der Hansestadt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Kunstgegenständen, die in der Kunsthalle unter dem Titel „Goldgrund und Himmelslicht“ gezeigt werden. Angesichts der musealen Zuwendung zu dem seit langem auch in der Forschung brachliegendem Themas hat man die Chance genutzt, auch die Burgen in diesem Kontext zu berücksichtigen. Dabei stehen die Archäologen und Burgenforscher Hamburgs vor denselben Problemen wie ihre Kollegen aus der Kunstwissenschaft: Kaum jemand interessierte sich bisher für die mittelalterliche Epoche. Der Dom und viele andere Gebäude waren im 19. Jahrhundert abgerissen worden, anderes fiel Bränden und dem Krieg zum Opfer. Somit gerieten auch die Burgen aus dem Blickfeld, zumal sie nur in wenigen Gebäuden bis in unsere Zeit erhalten geblieben sind. Damit wäre schon der erste positive Aspekt der Hamburger Burgenausstellung angesprochen: Erstmals wird der bisherige Forschungsstand in einer Ausstellung dokumentiert, und zwar durch die Betrachtung einer Vielzahl von Aspekten der Burgenforschung.

Ziel der kleinen Ausstellung ist nicht nur, sich den Monumenten selbst und ihrer archäologischen und schriftlichen Überlieferung zuzuwenden, sondern auch die Rezeption der Anlagen in der Romantik und im Historismus sowie das Leben auf der Burg anschaulich zu vermitteln. Demgemäß ist die Ausstellung in zwei Teile untergliedert worden: Einerseits werden die Burganlagen im Licht der archäologischen, schriftlichen und bildlichen Überlieferung dargestellt, zum anderen werden die unterschiedlichen Aspekte des alltäglichen Lebens auf den Burgen präsentiert. Dabei hat man sich auf wichtige Informationen beschränkt (lobend sind die kurzen Beschriftungen hervorzuheben) und es ist gelungen, auf nicht zu großem Raum die unterschiedlichsten Aspekte der Hamburger Burgen eindrücklich darzustellen.

Die Ausstellung gliedert die Burgen einerseits in solche, die im Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt Hamburg standen, und solchen, die mehr oder minder unabhängig davon auf dem heutigen Gebiet der Stadt zu lokalisieren sind. Den ersten Komplex bilden die Bischofsburgen, herzogliche Anlagen, die jedoch nicht lange überdauerten und Burgen, in deren Besitz sich die Stadt brachte oder sie sogar selbst erbaute. Dem zweiten Bereich sind die Burgen im ehemaligen Stormarn und die im Süden Hamburgs zuzuordnen. Der zeitliche Bogen erstreckt sich dabei von der durch eine Wallanlage befestigten karolingischen Bischofssiedlung Hammaburg über hochmittelalterliche Anlagen wie dem bischöflichen Bezelinsturm und der herzglichen Alsterburg hin bis zu spätmittelalterlichen Burgen. Hier steht vor allem die Stadt im Vordergrund, sowohl als Erbauer (Burg Neuwerk) als auch Eroberer von Anlagen (Bergedorf). Es ist gelungen, den bisherigen Kenntnisstand über die mehr als 20 Burgen auf kleinen Raum anschaulich darzustellen. Dabei wurden archäologische Befunde und schriftliche Nachrichten geschickt in Bezug zur bildhaften Überlieferung sowohl der frühen Neuzeit als auch des 19. Jahrhunderts gesetzt, nicht ohne auf den zweifelhaften Quellenwert hinzuweisen und Fehlinterpretationen aufzuzeigen. Beispielhaft sei hier das Bild der Hammaburg von Hermann de Bruycker (1909) genannt, der die Anlage phantastisch ausgestaltete, da es ihm an Quellen fehlte. Man hat sich nicht gescheut, auch Anlagen anzusprechen, deren Überlieferung äußerst spärlich ist, wie zum Beispiel die Widenburg, deren Erichtung Erzbischof Unwan (1013-1029) zugeschrieben wird. Jene Anlagen, von denen man mehr Kentnisse hat, sowie einige Grabungsergebnisse sind als Modelle umgesetzt, so daß die BetrachterInnen von manchen Burgen eine bessere Anschauung gewinnen können.

Der zweite Teil der Ausstellung lenkt den Blick auf das Leben der Menschen auf den Burgen. Da aus dem Hamburger Raum nur spärliche Funde zur Illustration des Alltags vorhanden sind, werden stellvertretend vor allem Leihgaben aus anderen norddeutschen Burgen präsentiert. Mithilfe dieser Objekte wird ein facettenreiches Bild der Sachkultur, wie sie auch für den Hamburger Raum angenommen werden kann, entworfen. Dabei wurden auch Burgendarstellungen auf Münzen, Siegel oder Gebrauchsgegenständen berücksichtigt. Einen wichtigen Raum nehmen die Waffen ein, die im Kampf oder auf der Jagd vom Burgherrn und seiner Burgmannschaft genutzt wurden. Dabei sprechen Schwerter, Äxte, Dolche oder Bogen nicht nur für sich, sondern werden, ebenso wie die Objekte der anderen Abteilungen, durch Beispiele aus Bilderhandschriften des Sachsenspiegels „zum Leben erweckt“. Daß neben dem Kampf auch Spiel und Spaß ihren Platz im Leben auf der Burg hatten, wird anhand von Spielsteinen, Spielwaren und Flöten deutlich. Besonders die Präsentation einzelner außergewöhnlicher Spielsteine auf Fotoabbildungen mittelalterlicher Spielbretter trägt zur weiteren Anschaulichkeit bei. Die Abteilung über den Hausrat führt weitere alltägliche Gegenstände vor. Dabei reicht das Spektrum vom Holz- und Silberlöffel über Holzschalen bis hin zu Leuchtern. Einblick in das repräsentative Leben der Burgbesitzer geben einige Schmuckfunde und Spiegelschalen. Das Bild wird abgerundet durch Objekte schmiedehandwerklicher Produktion, wie zum Beispiel Teile eines Kettenhundehalsbandes oder Hufeisen. Auch in dieser Abteilung hat man sich auf wenige, zum Teil aber außergewöhnliche Objekte beschränkt und gibt den BertrachterInnen damit die Möglichkeit, durch diese Beispiele selbst eine Vorstellung vom mittelalterlichen Alltagsleben zu entwickeln.

Der Ausstellung ist es gelungen, ein regionalgeschichtliches Thema so aufzubereiten, daß einerseits der Forschungsstand und die bisherigen Ergebnisse um die mittelalterlichen Burgen auch vom Laien erkannt werden können, aber andererseits die Forschungsprobleme eindrücklich werden. Positiv ist auch der Begleitband von Ralf Busch hervorzuheben. In ihm werden nicht nur die ausgestellten Objekte abgebildet, sondern auch der Raum genutzt, den Forschungsstand zu den Burgen ausführlicher darzustellen, als es in der Schau angebracht gewesen wäre. Damit ergänzt der Band die Ausstellung sinnvoll. Es ist zu hoffen, daß diese Ausstellung nicht ohne Folgen für die Burgenforschung im Hamburger Raum bleibt und dieses bisher relativ unbeachtete Gebiet von den Wissenschaftlern angegangen wird.


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Dokument erstellt am 29.02.2000