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Luginbühl
total Rezensiert von Carmen
Bosch-Schairer M.A., Weinsberg |
| Die gross angelegte Retrospektive von Bernhard Luginbühls Gesamtwerk, die derzeit in Basel und Bern zu sehen ist, wurde anlässlich der Fertigstellung des Werkkatalogs von Luginbühls Plastiken 1947 - 2002 ausgerichtet. Das Kunstmuseum Bern zeigt das kleiner dimensionierte Frühwerk mit Eisen- und Holzplastiken, Modellen, Graphik und Filmen, während in der grossen Halle und im Park des Basler Tinguely Museums vor allem die monumentalen, tonnenschweren Grossplastiken aus neuerer Produktion zu sehen sind. Luginbühl, 1929 in Bern geboren, ist vor allem als Eisenplastiker bekannt, doch er konstruiert auch Feuerplastiken, die öffentlich abgebrannt werden, zeichnet, stellt Druckgrafik in verschiedenen Techniken her und dreht Filme. Heute wird der mittlerweile 74jährige von seinen drei Soehnen unterstützt, die die schweren Arbeiten übernehmen. Mit dem verstorbenen Jean Tinguely, dem Basler Künstler der kinetischen Plastik, der mit ähnlichem Material arbeitete, verband ihn seit 1957 eine dauerhafte Freundschaft, die sich in gemeinsamen Ausstellungen und Projekten widerspiegelte, z.B. in der fahrbaren Geräuschmaschine "Klamauk", 1979. So war es nicht nur eine Frage der praktischen Durchführung, Luginbühls Grossplastik in Tinguelys Museum zu zeigen; es bietet darüber hinaus die reizvolle Möglichkeit, beider Werk zu vergleichen, denn zwei von Tinguelys raumhohen Arbeiten, die "Große Méta Maxi-Maxi-Utopie, 1987, und der "Luminator", 1991, sind in der Halle verblieben, dazu die frühen Werke im Obergeschoss und das Hauptwerk "Mengele-Totentanz", 1986, im Untergeschoss. Der Besucher bekommt einen Überblick über Luginbühls sämtliche Werkgruppen, vom Künstler selbst eingerichtet: Gross-Eisenplastiken und farbige Holzplastiken, Modelle von Feuerplastiken, Tagebücher, Druckgraphik, Zeichnungen und Filme. Fast wird man
überwältigt von der Fülle, Verschiedenartigkeit und
Dimension der Exponate, die aus der Halle gleichsam in den Park hinausquellen
und ein Spalier bis zum Museumseingang bilden. Von der riesigen besteigbaren
Plastik "Großer Boss", 1972, über deren Elefantenrüssel-Rutsche
man wieder parterre landet bis, bis zu den Tagebüchern mit ihren
Kalligraphien, Zeichnungen und collagierten Einbänden muss sich
das Auge immer wieder neu auf Abstand und Nähe einstellen. Das
Ganze gleicht einer Wunderkammer voller Überraschungen, durch
die man staunend wandelt. Luginbühl,
der in Serien arbeitet, zeigt Beispiele der "Atlas"-, "Boss"-,
und "Stengel"-Serien, ferner Werke mit Tierskeletten, den
"Roßaltar" mit Pferdeschädeln, dessen filigrane
Eisengitterflügel motorgetrieben auf- und Lohnend ist es allemal, nicht zuletzt wegen der Möglichkeit, Luginbühls und Tinguelys Werk zu vergleichen. Während letzterer auch in seinen grössten Werken leicht und filigran bleibt und selbst bei dem unheimlichen "Mengele-Totentanz" aus Überresten eines niedergebrannten Bauernhofs etwas Spielerisches in der Verwandlung des Materials ins Figurative beibehält, ist Luginbühl eine Art Hephaistos in der Schmiede. Das Ausstellungsplakat, das ihn in Silberfolie gehüllt mit einer meterhohen Feuerfontäne über dem Kopf zeigt, illustriert diesen vulkanischen Aspekt. Erz aus den Tiefen der Erde und Feuer sind seine Elemente. Daraus schafft er Werke, die in ihrer Schwere und Erdverbundenheit den Geschöpfen einer Urwelt gleichen oder dazu bestimmt sind, in Feuer und Rauch aufzugehen. Zumal die grossen Eisenplastiken haben oft etwas Tierhaftes, stehen auf stämmigen Beinen, recken Köpfe, strecken Schwänze oder Rüssel. Während Tinguely unterschiedliche Materialien verwendet, neben Schrott und Gebrauchsgegenständen auch Kitschobjekte wie Gartenzwerge, beschränkt sich Luginbühl auf technoides Material: Zahnräder, Schraubenschlüssel, Spiralfedern, Ketten, Bettroste, Gussformen, selbst Schiffsschrauben, Anker und Granatmörser. Dazu kommen Holzgeräte und Tierskelette oder -schädel. Diese Elemente schweisst und schraubt er werkgerecht zu grossen Kompositionen zusammen und transformiert, was ehemals zur industriellen oder handwerklichen Produktion oder zur Fortbewegung diente in Kunstwerke mit der Rostpatina der vergehenden Zeit. Altes und Zeitgenössisches, Starres und Lebendiges, Abstraktes und Figuratives ist gleichermassen darin enthalten. Luginbühl
bevorzugt mit dem Eisen eines der dauerhaftesten Materialien, d.h.
Dauer ist eine zentrale Kategorie seines Werks. Anders als Eisen-
oder Stahlplastiker wie Serra, Caro oder Herbst formt er das Material
in der Regel nicht selbst oder lässt es formen, sondern verwendet
ehemalige Maschinen- und Funktionsteile. So bestehen seine Werke aus
Produkten eines Maschinenzeitalters, das dem Wandel unterworfen ist.
Diese Kategorie des Alltäglichen, Vergänglichen, das ihrer
Form anhaftet, verbindet ihn wiederum mit den Künstlern, die
sich nach Zum Glück
tun sie das nicht dogmatisch, sondern mit einer Prise Humor, die die
Kolosse gemütlich macht und den Schrecken mindert, den die Feuerräder
versprühen. Doch das ändert nichts an ihrer Botschaft. Zur
Ausstellung ist ein Katalogbuch von Bernhard und Ursi Luginbühl Links:
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Alle Rechte bei der Autorin und VL Museen
Dokument erstellt am 31.12.2003