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Ernst
Ludwig Kirchner, Bergleben. Die frühen Davoser Jahre 1917 - 1926 WWW: http://www.kunstmuseumbasel.ch/ Rezensiert von Carmen
Bosch-Schairer M.A., Weinsberg |
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Das Kunstmuseum Basel zeigt eine Überblick über die Gebirgsmalerei Ernst Ludwig Kirchners, dieses frühen Protagonisten des deutschen Expressionismus und Gründungsmitglieds der Künstlervereinigung "Brücke" in Dresden. Als solcher ist er in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingeschrieben und wird mit Badeszenen an den Moritzburger Seen und grossstädtischen Flaneuren in Berlins Strassen assoziiert. Nach den grossen Retrospektiven in Washington und London und den Ausstellungen über Sonderaspekte des Werks in Davos und Stuttgart beschliesst die Basler Schau dieses Kirchner-Jahr mit der Dokumentation des mittleren Oeuvres, das in der Schweiz, genauer in der Umgebung von Davos, entstanden ist. Die Ausstellung ist durchweg mit qualitativ hochwertigen und interessanten Exponaten bestückt. Der Schwerpunkt liegt auf Gemälden, darunter viele Hauptwerke. Auch der Holzschnitt ist breit vertreten, dazu Aquarelle, einige Skulpturen und geschnitzte Möbel sowie eigenhändige Fotos von der Umgebung, vom Atelier und von Modellen wie Besuchern. Die Bildplatten wurden vor kurzem entdeckt und sind in Abzuegen erstmals öffentlich zu sehen. Als Begleitprodukt werden gewebte Bildteppiche gezeigt, die Lise Gujer nach Kirchners Entwürfen fertigte. Kirchner kam durch Zufall von Berlin nach Davos. Nach kurzem Wehrdienst im Jahr 1915, der mit der gesundheitsbedingten Freistellung endete, erholte er sich jahrelang nicht mehr. Nervliche Zerrüttung, Alkohol- und Medikamentensucht führten zu lebensbedrohlichen Zuständen, die man in verschiedenen Sanatorien zu kurieren suchte, darunter auch in Davos. An die hochalpine Bergwelt gewöhnte er sich nach anfänglicher Abwehr so sehr, dass er zunächst zeitweise, ab 1918 dauerhaft und mit offizieller Niederlassungsbewilligung in der Naehe von Davos lebte, das er nur noch für Reisen verliess. 1938 starb er dort durch Selbstmord, eingeholt von der deutschen Bedrohung, die nach dem Anschluss Österreichs gefährlich nahe an die zweite Heimat des als "entartet" gebrandmarkten Künstlers gerückt war. Betritt man den
ersten Gemäldesaal der Ausstellung, fällt es angesichts
der Almhütten, Waldschluchten und Gebirgspanoramen schwer zu
glauben, dass diese farbige Bilderwelt von demselben Maler stammt,
der wenige Jahre zuvor seine krassen Selbstbildnisse als Trinker und
als kriegsversehrter Soldat (beide 1915) oder die hochexpressive Holzschnittserie
zu "Peter Schlemihl" (1916) geschaffen hatte. Zwar
hatte er sich auch zuvor mit Landschaft auseinandergesetzt, doch jetzt
sah er sich vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Früher
war die Kirchner arbeitete
mit denselben stilistischen Mitteln wie bisher, mit grosszügig
summierenden, das Detail überspielenden Formen, mit dichten Diese halluzinatorische Farbigkeit wird gebändigt durch die konstruktive Verfestigung der Komposition. So entsteht eine aparte Variante von Kirchners Individualstil, eine Art konstruktiver Expressionismus. Es fehlt die Verve der Berliner Werke mit ihrem vibrierenden Strich und dem hohen Abstraktionsgrad, der die Vorstellungskraft des Betrachters ungleich stärker stimuliert. Die Komposition ist ausbalanciert, in sich geschlossen, der Strich wird breit und ruhig. Gleichwohl eignet auch den Gebirgsbildern das Potential, das Kirchners Oeuvre auszeichnet, die Welt fremd und neu zu zeigen. Wo er nicht das
Panorama, sondern Ausschnitte wählt, gelangt er zu kubisch-abstrakte
Formen, die fast als freie Kompositionen zu lesen sind. Den zweiten Schwerpunkt
der Ausstellung neben der Malerei bilden die Holzschnitte, die die
Thematik der Gemälde bearbeiten und Szenen des bäuerlichen
Lebens sowie Porträts von Bergbauern wie Freunden und Bekannten
zeigen. Die Vielfalt der Schnittechniken, die Kirchner zu Gebote stand,
erzeugt subtile Hell-Dunkel-Effekte und reich differenzierte Bildstrukturen.
Es ist nicht einfach, sich in die strenge, lineare Ästhetik des
Schwarzweiss einzusehen nach dem Farbenrausch der Malerei, doch es
lohnt die Mühe. An
Skulpturen sind die fast lebensgroßen Figuren "Adam"
und "Eva", 1921 und "Die Freunde", 1924 vorhanden,
dazu Kleinplastik wie der Bauer "David Ambuehl", 1918, und
der "Bube mit Beil", 1919, sowie ein Stuhl mit großem
Akt auf der Rückenlehne, ca. 1920. Fast alle diese Werke waren
in der Ob Kirchners Alpenbilder
dem Werk der Dresdener und Berliner Jahre ebenbürtig sind oder
das Nachlassen der künstlerischen Potenz markieren, darüber
kann man geteilter Meinung sein. Sicher ist, dass er von 1918 bis
Mitte der 20er Jahre seine letzte authentische Ausdrucksform fand,
denn darauf folgte das jahrelange Ringen um Anschluss an die internationale
Kunstentwicklung, konkret an den französischen Kubismus. Hier
gelang es ihm nicht mehr, eine eigenständige Formensprache zu
finden. Kurz vor seinem
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Dokument erstellt am 31.12.2003